ich habe gesehen, daß bei Euch schon mal kurz die Frage der Faltradmitnahme im Koffer für Dahon diskutiert wurde und möchte hier nur meinen etwas ausführlicheren Beitrag zum Thema Bike Friday Koffer - Anhängersystem reinstellen, den ich gestern auch bei den Birdy-Freunden eingestellt habe. Der Bike Friday Koffer ist letztlich ein handelsüblicher großer Samsonite-Hartschalenkoffer, der für die Aufnahme des Anhängergestells auf der Unterseite von Bike Friday 3 Bohrungen verpaßt bekommt (kann problemlos auch ohne Anhängersystem verwendet werden - mache ich seit mehreren Jahren. So groß sind die Löcher nicht
Birdy:
Im wesentlichen müssen zur Unterbringung im Bike Friday Koffer bei den Birdys mit klassicher Rahmenform
die Räder herausgenommen werden. Bei den Monocoque Birdys reicht die Herausnahme des Vorderrades. Wenn man die Kunststoffschraube für den Anschlag herausdreht, kann man den Hinterbau aufgrund der spezifischen Form des Oberrohres ein paar Zentimeter weiter einfalten als beim alten Birdy. (S. 24 Monocoque Birdy Bedienungsanleitung) Das reicht für den Bike Friday Koffer, ohne daß das Hinterrad herausgenommen werden muß. (Vorbehalt aber bei Big Apple Bereifung.)
Bei allen Birdys muß das Sattelrohr herausgezogen werden.
Zudem sind Falt- oder Steckpedale angeraten.
Alle Teile passen separat in den Koffer. Luftnoppenfolie ist zum Abpolstern sehr nützlich.
Das ist alles noch keine Schrauborgie, da man (im günstigsten Fall) nur Schnellspanner zu lösen hat. Bei den 'klassischen' Nabenschaltungs-Birdys müssen natürlich zusätzlich zwei Muttern gelöst werden zum Herausnehmen des Hinterrades. Mit einem Rohloff-Birdy würde ich allerdings auf diese Art nicht verreisen wollen wegen des möglichen Ölaustritts, was im Koffer nicht schön ist. Dichtes Verpacken der Nabe wäre sicherlich umständlich.
Die Kette, die zudem bei den klassischen Birdys nach Herausnahme des Hinterrades auch noch lose im Koffer herumschlabbert, ist natürlich ein ärgerlicher Schmutzfaktor. Gerade deswegen hätte ich mir seit längerem ein praxistaugliches Riemen-Birdy gewünscht. Es bleibt wohl nur, nach ausgebautem Hinterrad eine Plastikhülle über die Kette zu stülpen und bis über das Kettenblatt zu ziehen. (Oder sich ein Riemen-Bernds zuzulegen - siehe unten.)
So weit, so wenig schraub'. Ein bißchen kniffliger wird es, wenn das Birdy Schutzbleche hat, insbesondere, wenn die mit diesen wenig gebräuchlichen Torque-(?)Schrauben verschraubt sind. Die müssen herunter, und dann geht es schon eher Richtung Schrauborgie. Zum Thema Birdy mit Steckschutzblechen bin ich leider nicht so bewandert. Vielleicht jemand anderes ?
Also, Schrauborgie nicht unbedingt. (Jedenfalls längst nicht so schlimm wie bei den 'Air'-Modellen von Bike Friday [nicht zu verwechseln mit den 'Airnimals'], wo schon der Hersteller zähneknirschend von erschreckenden 20 Minuten ausgeht, bis man das Teil in den Koffer gepuzzelt hat.)
Übrigens ist der Bike Friday Koffer ein wahres Raumwunder - ich habe schon alle bekannten Falträder hineinbekommen - zumindest die mir wichtigen. Das Brompton paßt excellent, wenn man die Sattelstütze herausnimmt (Sattel abschrauben oder sich eine nach unten nicht aufgeweitetes Sattelstütze besorgen). Das Bernds paßt nach ein bißchen Bastelei - nachträglich noch tausend Dank an den sehr geduldigen Bernds-Händler in Dortmund-Applerbeck, dem ich eines Tages einfach mal mit meinem Koffer auf die Pelle rückte und begehrte, sein Riemen-Bernds hineinzufalten.
Das Bickerton habe ich irgendwann mal, ohne groß nachzudenken, mit Tasche hineingemüllt, einfach zum Verstauen. Paßt auch. Und als Special Feature: Das Moulton (von Pashley) paßt in die Tandemversion des Bike Friday Koffers - Vorder- und Hinterteil in jeweils einen Koffer - zentimetergenau. Und insbesondere in dem Koffer, in dem das Vorderteil verstaut ist, bleibt noch viel Platz für Sonstiges.
O.K. - die wahren Birdy-Freunde verzichten natürlich unterwegs lieber auf Ihre Zahnbürste als auf ihr Birdy, dafür besteht aber gar kein Grund, denn es paßt mehr als nur die Zahnbürste in den Koffer, auch wenn das Birdy schon drin ist. Entweder das Birdy oder die sonstigen Reiseutensilien sollten natürlich abgepackt werden wg. Verschmutzungsgefahr der Letzteren.
Nun ist der Bike-Friday Koffer ja nicht nur ein Koffer, sondern mit dem optionalen Fahrgestell für den, der's möchte, auch ein Anhänger.In der Birdy Mailing-Liste habe ich die Meinung, gefunden, daß das Bike-Friday Fahrgestell wegen der auf das Friday zugeschnittenen Hinterbau-Kupplung nicht an das anders konstruierte Birdy paßt. Das stimmt nur bedingt, denn man kann das Fahrgestell auch ohne die Bike-Friday Kupplung und dafür mit Weber-Kupplung bekommen, zumindest hatte Kai Fuchs (ex-Bike-Friday Vertreter in Deuschland) mir das vor einiger Zeit angeboten. Wie er mir gesagt hatte, kann man auf alle Fälle die Bike Friday Kupplung abbauen und durch eine Weber-Kupplung ersetzen.
Ersteres habe ich ausprobiert (funktioniert - wer möchte eine Bike Friday Kupplung ?); Letzteres habe ich nicht ausprobiert.
Soweit die Fakten. Wie sich Koffer und Fahrgestell fahren, habe ich noch nicht ausprobiert. Laut Bike Friday kann man damit ja mal eben die USA durchqueren (siehe die enthusiastischen Erfahrungsberichte auf der etwas nervigen Website bikefriday.com).
Wichtige Kriterien wären für mich: Bodenfreiheit und damit Geländegängigkeit bzw. Bordsteintauglichkeit (mit denen dürfte es allerdings bei vielen Falträdern ohnehin nicht weit her sein), Gewicht, Rollwiderstand der Räder und nicht zuletzt Geräuschentwicklung des Plastikschalen-Koffers (dürfte sich aber in Grenzen halten, da das Fahrgestell über richtige luftbereifte Räder verfügt).
Das Fahrgestell läßt sich übrigens durch das Lösen von drei Schrauben abnehmen und natürlich im Koffer verstauen.
Im Vergleich zum Birdy-Koffer ist der Bike-Friday Koffer insbesondere handlicher (Griffe an 2 Seiten; eigene Rollen); er wird problemlos als Fluggepäck akzeptiert (auch auf Kurzstreckenflügen), er ist zu 100% Intercity-tauglich und vielleicht 80% ICE-tauglich. Daß er völlig unabhängig von Faltrad-Mitnahme mein bevorzugter Koffer ist, wann immer es um längere Reisen geht, sagt eigentlich alles.
Das ist aber nun wirklich nur meine persönliche Meinung.
Konkrete Erfahrungen mit dem Bike Friday Koffer als Anhänger wären interessant. Bei den Bromptonauten steht auch schon etwas dazu.
Einen weniger positiver Aspekt der Koffer-Anhänger ist, finde ich, die visuelle Sicherheit - leider achten die Hersteller mit der komplett schwarzen Farbgebung einschließlich der Räder (die Reifen ohne Reflektorenstreifen !!) auf größtmögliche Unauffälligkeit im Straßenverkehr.
Daß es den Bike-Friday Koffer auch in Rot und in Gelb gab (Letzteres ist wohl Geschichte und inzwischen durch Türkis ersetzt worden) habe ich erst nach Kauf des schwarzen Modells erfahren. Anbringungsmöglichkeiten für Beleuchtung kenne ich keine. Reflektierende Klebestreifen wären zumindest eine Notlösung, wenn sich Nachtfahrten nicht vermeiden lassen. Bike Friday bietet auch auffällige Fähnchen an.
Zum Schluß für konkrete Interessenten noch die Warnung vor der langen Lieferzeit: Ich habe auf meinen Tandemanhänger (zwei Koffer auf dem Anhängergestell) 6 Wochen gewartet, und das in der Standardfarbe schwarz. Wer sich in dieser Farbe nicht überfahren lassen möchte und vernünftigerweise eine auffälligere Farbe bevorzugt, muß vielleicht noch länger warten.
Und jetzt gute Reise .... Bin gespannt auf Eure Erfahrungen. Vieleicht bekommt das Thema hier nach einiger Zeit noch etwas 'Drive' ...