Kürzlich hatte ich beim Fahrradbasteln ein Rad von 2008 zum Wiederflottmachen unter den Fingern. Eine Marke von einem Hersteller, der auch sehr teure Räder vetreibt. Entsprechend groß standen Marke und Modell drauf.
Auffällig an diesem neu nicht ganz billigem Rad war schon, dass offenbar viele Teile unterster Qualität verbaut worden waren. Lackierung von Vorbau und Gepäckträger waren schon total matt, als Beispiel. Rostige Schrauben sind hier natürlich ein "Muß". Selbst die Pedalgarnitur war hinüber, weil eine abgewetzte Pedale hoffnungslos festgegammelt war, es waren etliche Neuteile fällig.
Als ich das Rad dann zum Säubern auf den Kopf gestellt hatte, staunte ich nicht schlecht: Silberner Aufkleber mit Hersteller Mifa auf dem Tretlager!
Immerhin war der Neupreis vom Rad ganz und gar nicht Mifa.
Wie lautet das Rezept hier: Billig bei Mifa zusammenschrauben lassen mit wohlklingender Marke drauf und dann stimmt die Rendite?
Sind Fahrradmarken nur Schall und Rauch?
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Weinbergschnecke
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Pibach
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Re: Sind Fahrradmarken nur Schall und Rauch?
Hergestellt wird überwiegend in Fernost, teilweise die selben Produktionsstandorte, dann umgelabelt nach entsprechender Marke. Z.B. ist der Ghost Lector Carbon Rahmen auch unter dem Label No Saint und BeOne erhältlich, zu recht unterschiedlichen Preisen, nur anderer Lack. Wie das genau bei Mifa ist, weiß ich allerding nicht.
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Weinbergschnecke
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Re: Sind Fahrradmarken nur Schall und Rauch?
Mifa liefert ja auch für die Discounter. Der Rahmen erinnerte mich sofort an den Alu-City-Star oder Cyco, mit diesen Einlässen für die Züge und unten ist der Rahmen richtig offen.
Die Geschäfte von Mifa scheinen gut zu laufen, die kaufen öfters mal andere Fahrradmarken auf.
Der Hauptaktionär weiß auch, wie man gut Geld verdient. Früher hat er mit dem AWD das Geld der Leute gezogen, heute verkauft er mehr oder minder kurzlebige Blender als Fahrraäder "Made in Germany": http://www.ftd.de/karriere/management/: ... 07521.html
Nur traurig, dass auch renomierte Hersteller ihren Kunden über den Fahrradfachhandel sowas verkaufen: http://www.boettcher-fahrraeder.de/fahrrader/2/grecos Angeblich soll nur ein Teil der Räder von Mifa stammen.
Die Geschäfte von Mifa scheinen gut zu laufen, die kaufen öfters mal andere Fahrradmarken auf.
Der Hauptaktionär weiß auch, wie man gut Geld verdient. Früher hat er mit dem AWD das Geld der Leute gezogen, heute verkauft er mehr oder minder kurzlebige Blender als Fahrraäder "Made in Germany": http://www.ftd.de/karriere/management/: ... 07521.html
Nur traurig, dass auch renomierte Hersteller ihren Kunden über den Fahrradfachhandel sowas verkaufen: http://www.boettcher-fahrraeder.de/fahrrader/2/grecos Angeblich soll nur ein Teil der Räder von Mifa stammen.
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Re: Sind Fahrradmarken nur Schall und Rauch?
Es ist schon erschauderlich wie die freie Marktwirtschaft funktioniert. Mifa ist eine Marke aus der DDR und ist in einigen Köpfen noch für den unverwüstlichen Ruf bekannt. Und das man solche Marken einfach so kaufen kann und dahinter völlig andere Machenschaften verbergen kann, finde ich sehr verwerflich und zeigt in Richtung Täuschung der Konsumenten. Pfui.
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Motte
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Re: Sind Fahrradmarken nur Schall und Rauch?
Das Spiel ist aber uralt und weit verbreitet. Eine Traditionsmarke schwächelt, der große Retter schnappt sich die Firma und die staatlichen Förderungsmittel zum Erhalt, schielt aber nur auf das Know How, Markenname und eventuell noch die Produktionsanlagen. Bleibt genau so lange, wie die Förderungskriterien vorschreiben, baut in der Zeit alles "überflüssige" an Mensch und Material ab. Und zieht anschließend von dannen um woanders das große Geld zu machen. Verlierer sind im Regelfall alle Angestellten und all jene, die in die Arbeitslosenversicherung einzahlen und den Quatsch mitfinanzieren. Und die Leute kaufen nachher fleißig die Produkte, weil die ja für solide Wertarbeit aus heimischer Produktion stehen.
Das muss man aber von jenen Fällen unterscheiden, in denen Firmen in ein größeres Unternehmen eingegliedert werden (und als Produktionsstandort bestehen bleiben) um überhaupt marktfähig zu bleiben. Darüber hinaus finde ich es nicht verwerflich, wenn Markenfirmen auch unter einem anderen Label günstige Dinge für andere Vertriebswege herstellen. Die billige Baumarkt Bohrmaschine mit Markenlabel würde sonst die Marke selbst ruinieren.
Das muss man aber von jenen Fällen unterscheiden, in denen Firmen in ein größeres Unternehmen eingegliedert werden (und als Produktionsstandort bestehen bleiben) um überhaupt marktfähig zu bleiben. Darüber hinaus finde ich es nicht verwerflich, wenn Markenfirmen auch unter einem anderen Label günstige Dinge für andere Vertriebswege herstellen. Die billige Baumarkt Bohrmaschine mit Markenlabel würde sonst die Marke selbst ruinieren.
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Pibach
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Re: Sind Fahrradmarken nur Schall und Rauch?
Waru so pessimistisch? Das"Traditionsunternehmen" wäre ja andernfalls pleite gegangen, die Arbeitnehmer freigesetzt. Ein Investor macht es wieder wirtschaftlich. Die staatliche Förderung ist aber leider oft zu gießkannenartig und für zu Mitnehmementalität.Motte hat geschrieben:Das Spiel ist aber uralt und weit verbreitet. Eine Traditionsmarke schwächelt, der große Retter schnappt sich die Firma und die staatlichen Förderungsmittel zum Erhalt, schielt aber nur auf das Know How, Markenname und eventuell noch die Produktionsanlagen. Bleibt genau so lange, wie die Förderungskriterien vorschreiben, baut in der Zeit alles "überflüssige" an Mensch und Material ab. Und zieht anschließend von dannen um woanders das große Geld zu machen. Verlierer sind im Regelfall alle Angestellten und all jene, die in die Arbeitslosenversicherung einzahlen und den Quatsch mitfinanzieren.
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derMac
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Re: Sind Fahrradmarken nur Schall und Rauch?
In Mottes Bsp. macht er es eben nicht wieder wirtschaftlich. Und solche Fälle sind recht häufig. Es gibt aber natürlich auch Fälle, wo es tatsächlich wieder wirtschaftich gemacht wird.Pibach hat geschrieben:Waru so pessimistisch? Das"Traditionsunternehmen" wäre ja andernfalls pleite gegangen, die Arbeitnehmer freigesetzt. Ein Investor macht es wieder wirtschaftlich.Motte hat geschrieben:Das Spiel ist aber uralt und weit verbreitet. Eine Traditionsmarke schwächelt, der große Retter schnappt sich die Firma und die staatlichen Förderungsmittel zum Erhalt, schielt aber nur auf das Know How, Markenname und eventuell noch die Produktionsanlagen. Bleibt genau so lange, wie die Förderungskriterien vorschreiben, baut in der Zeit alles "überflüssige" an Mensch und Material ab. Und zieht anschließend von dannen um woanders das große Geld zu machen. Verlierer sind im Regelfall alle Angestellten und all jene, die in die Arbeitslosenversicherung einzahlen und den Quatsch mitfinanzieren.
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Re: Sind Fahrradmarken nur Schall und Rauch?
Also der Investor hat doch schon ein Interesse, es wirtschaftlich zu machen. Mag sein, dass dann die Marke verwässert, die Qualität sinkt, in Fernost billig pruduziert wird, ettliche Mitarbeiter reduziert werden usw, aber für einen großen Teil der Angestellten geht es weiter, es werden Gewinne erziehlt (hoffentlich) und damit das Überleben der Firma gesichert. Auch wenn es für den Kunden u.U. schwieriger wird, Markenqualität einzuschätzen, profitiert auch er insgesamt von steigender effizienz und besserem Preis/Leistungs-Verhältnis. Mag sein, dass es nicht immer so klappt. Oder dass der Staat falsche Anreize schafft. Im Prinzip ist es aber doch zu befürworten.derMac hat geschrieben: In Mottes Bsp. macht er es eben nicht wieder wirtschaftlich. Und solche Fälle sind recht häufig.
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Re: Sind Fahrradmarken nur Schall und Rauch?
Nicht unbedingt. In vielen Fällen gehen Firmen auch gestärkt aus einer Insolvenz. Zwar nicht in alter Größe, aber überlebensfähig. Mein "böser Investor" will ja den Betrieb gar nicht und lässt ihn vorher ausbluten um möglichst ohne Auffanggesellschaft/Sozialplan/Abfindungen raus zu kommen.Warum so pessimistisch? Das"Traditionsunternehmen" wäre ja andernfalls pleite gegangen, die Arbeitnehmer freigesetzt.
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Re: Sind Fahrradmarken nur Schall und Rauch?
Moin,Weinbergschnecke hat geschrieben:(...)
Als ich das Rad dann zum Säubern auf den Kopf gestellt hatte, staunte ich nicht schlecht: Silberner Aufkleber mit Hersteller Mifa auf dem Tretlager!
Immerhin war der Neupreis vom Rad ganz und gar nicht Mifa.
Grundsätzlich: Gerade in der Fahrradproduktion sind Namen schon seit Jahrzehnten oft nur unterschiedliche "Labels" für fast identische Produkte.
Siehe Rabeneick, Hercules, Patria*
Mifa ist übrigens deutlich älter, als die ex DDR.
Ich wette aber auch drauf, daß die, wie so viele Staatsbetriebe ("Volkseigen") gerade auch ihre ganz hochwertigen Produkte unter anderem Namen an Westhändler wie Josef Neckermann, Fam. Schickedanz (Quelle) oder Ikea geliefert haben. Diese hatten die Produkte dann für unglaubliche Preise verschleudert und sich trotzdem noch dumm und dämlich dran verdient.
Meine Dahon "Vitesse" ist "manufactured in Macau"
Das ist bei Dienstleistungen, wie dem Spediteursgwerbe übrigens auch so: Wenn Du eine Spedition mit grossem Namen beauftragst,z.b. "Schenker" kommt es alltäglich vor, dass dieser Transportauftrag an einen ganz anderen Fuhrunternehmer weiterreicht, welcher wiedrum eine noch andere Agentur beauftragt, die wiederum einen Subunternehmer losschickt.
Ach ja und wirklich wesentliche Bauteile in "deutschen" Atomanlagen wie Reaktordruckbehälter oder Sicherheitsschleusen wurden bei italienischen
oder tschechischen Fabriken gefertigt.
Die preiswerten Müsli-Schokoriegel bei Aldi Nord sind tatsächlich die original "Bio Gesundheitsriegel" des DEVAUGE-Werkes in Lüneburg (identisches Produkt, identische Zutaten aus der gleichen Maschine).
Beispiele so oder so gibs zu hunderten.
* die produzieren nicht die gleichen Produkte, sondern sind Beispiele für (inzwischen) blosse Markennahmen
Gruss
Karsten