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Sind Fahrradmarken nur Schall und Rauch?

Alles zum Thema Faltrad/Rad.
Motte
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Re: Sind Fahrradmarken nur Schall und Rauch?

Beitrag von Motte »

ja, so ist es wohl leider. (ging mir mit Sachs so - ich fand Shimano immer schicker und leichter zu bedienen).
So wie deine dunkle altbackene Kneipe ums Eck pleite geht, wenn alle in den neuen 20 Km entfernten Event Tempel rauschen.

So lange Du gesund, fit, reich und mobil bist, ist das alles kein Thema. Wenn nicht (oder nicht mehr), dann wünscht Du dir das Alte plötzlich zurück - aber da ist dann nichts mehr. Kein Radhändler mehr ums Eck, keine Kneipe in der Nähe und kein Hersteller mehr, der günstige (altbackene) aber grundsolide Räder oder Komponenten anbietet. Waschmaschinen mit drei Jahren Lebensdauer und Uhren, die den ersten Batteriewechsel nicht überdauern sind dann der Preis.
katapult
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Re: Sind Fahrradmarken nur Schall und Rauch?

Beitrag von katapult »

Peter, deine Einschätzung ist subjektiv, ich finde zum Beispiel das Dahons richtig scheiße aussehen, einfach weil sie schlecht konstruiert sind. Siehe die diversen Threads zu Laufrädern, Lenkstützen, Rahmen... Aber was solls es ist ja inzwischen hinlänglich bekannt das du mit Brompton nicht kannst, und die ganzen Wiederholungen machen die Sache auch nicht interessanter.
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Re: Sind Fahrradmarken nur Schall und Rauch?

Beitrag von alterfalter2 »

@ Pibach
"Herstellung EU/USA geht ja auch nur, weil die aus Stahl sind, da ist die Verarbeitung "einfacher"."

..Aluminium zu verarbeiten ist kein Hexenwerk, das kann man in Europa als auch USA genau so. Slingshot FoldTech besteht im Hauptrahmenteil aus Alu und wird wie das englische Airframe, das komplett aus Alu ist, vor Ort gefertigt. Die Technologie stammt ursprünglich dazu aus Europa. Was Kosten und Arbeitsbedingungen in FernOst angeht, schließe ich mich Katapult vollinhaltlich an!

Gruß TIL
Pibach
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Re: Sind Fahrradmarken nur Schall und Rauch?

Beitrag von Pibach »

alterfalter2 hat geschrieben: ..Aluminium zu verarbeiten ist kein Hexenwerk, das kann man in Europa als auch USA genau so. Slingshot FoldTech besteht im Hauptrahmenteil aus Alu und wird wie das englische Airframe, das komplett aus Alu ist, vor Ort gefertigt. Die Technologie stammt ursprünglich dazu aus Europa.
Praktisch die gesamte Alu- (und Carbon-/Titanium-) Produktionen sind aber nach Asien abgewandert. Klar, viele Technologien stammen aus USA/Europa, die Asiaten machen das aber kostengünstiger. Und die durchautomatisierte Alu-Rahmen-Produktion mit Hydroforming, Konifizieren usw. lohnt halt nur bei großen Stückzahlen.

Dass sich Kleinserien-Produktionen wie Brompton (oder Slingshot FoldTech) dennoch behaupten (und erfolgreich den ganzen Innovationskram einfach irorieren), empfinde ich als ein gewisses Wunder. Und ist auch irgendwie sympatisch. Aber kein Anlass, das über den grünen Klee zu loben bzw. "Billigprodukte" aus Fernost abzustempeln. Wir müssen hier auch nicht die 100. Faltrad-Marken-Fanboy-Diskussion weiterführen.
Jonny
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Re: Sind Fahrradmarken nur Schall und Rauch?

Beitrag von Jonny »

katapult hat geschrieben:Es ist ein Unterschied ob ich Zähneknirschend ein Produkt erwerbe zu dem es keine Alternative gibt, oder ob ich darüber in Jubel ausbreche das ich von der Ausbeutung chinesischer Arbeiter profitiere.
Man sollte nicht immer davon ausgehen, dass unsere Kultur, unser Wirtschaftssystem, unsere Gesellschaft das Alleinseligmachende auf der Welt ist und sich alle an unseren Maßstäben messen lassen müssen. Allerdings habe ich auch etwas gegen unser Profitverständnis zulasten anderer.

Aber kann man sich selbst noch davor schützen? Überall ist ein Makel zu finden. Und wenn es nur am Dahon ist, das andere gut finden.
alterfalter2
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Re: Sind Fahrradmarken nur Schall und Rauch?

Beitrag von alterfalter2 »

@ Pibach
"Dass sich Kleinserien-Produktionen wie Brompton (oder Slingshot FoldTech) dennoch behaupten (und erfolgreich den ganzen Innovationskram einfach irorieren), empfinde ich als ein gewisses Wunder."

..was versehst Du unter Kleinserie? Brompton stellt pro Jahr 22000 Räder her mit etwa 115 Angestellten..
"Der Kunde kann zwischen verschiedenen Gangschaltungen, Lenkertypen und Rahmenfarben auswählen, der Rahmen ist aus Stahl oder Titan. Das Design ist seit 1979 unverändert. Am Standort Brentford arbeiten 115 Mitarbeiter, die jährlich rund 22.000 Räder herstellen. Damit ist Brompton der größte Fahrradhersteller in Großbritannien." (Quelle: http://www.zeit.de/auto/2012-11/fs-brompton-fahrrad-2)
Bike Friday baut pro Jahr mehr als 2000 hochwertigste Räder mit 30 Angestellten.
Das man in Shenzen unter Sklavenhalterbedingungen billiger produzieren kann, ist schon klar - ich muß das aber nicht unterstützen, zumal die Produkte weder innovativer noch wertiger oder besser sind. Es gibt in Asien sicher Firmen, die hochwertige Produkte im Fahrradsektor herstellen, wie Pacific Cycles oder Bridgestone - ob da die Arbeitsbedingungen besser sind, weiß ich nicht. Die Konstrukteure/Designer kommen auch da zum Teil aus England: Mike Sanders bei Pacific (if-Reach), Mike Burrows bei Giant (HalfWay).
Merkwürdigerweise sind in Japan und Korea Falträder Englischer Herkunft der Renner: Brompton verkauft 90% seiner Produktion nach Asien. Japaner und Koreaner sind geradezu verrückt nach Moultons, die erzielen dort auch gebraucht Höchstpreise, warum wohl?

Gruß TIL
frankd
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Re: Sind Fahrradmarken nur Schall und Rauch?

Beitrag von frankd »

Prinzipiell gilt immer noch die Abhängigkeit Qualität und Preis. Nicht 100 %, da zahlt man auch für den Namen mit, aber es ist schon eine gewisse Richtschnur. Da sehe ich bei Faltern 3 Kategorien, die absolute Billigware, so wie Pegasus, dann die Mittelklasse wie Dahon oder Tern und die hochpreisigen wie Brompton.
Die Qualität entspricht schon so ungefähr dem Preis, dies sollte man wissen und nicht das Wunder bei einem 200 Euro Klapprad aus dem Discounter erwarten.
Dies wissen natürlich die Hersteller auch, bei Billigrädern geht es um Laufkundschaft da ist es egal, bei Hochpreisigen um Stammkundschaft und die sollte man nicht verprellen.
Grundsätzlich gilt, man sollte sich vor dem Kauf schlau machen und sich nicht vom Namen oder vom Preis blenden lassen.
Und zur Ausbeutung in China und anderen Ländern, leider gibt es noch kein fair trade bei Fahrrädern.
Sicherlich sind die Löhne dort im Vergleich zu uns gering, aber die Lebenshaltung eben auch. Diese Relation sollte man im Auge behalten.
Der Arbeiter dort ist froh, einen Job zu haben, nun kommen wir und gefährden seinen Job, nur weil wir seine Bezahlung nicht in Ordnung finden.
Wem soll unsere Solidarität gelten, dem englischen Arbeiter, dem chinesischen Arbeiter oder dem deutschen Arbeiter, das Motto "kauft deutsch" kommt nicht so gut herüber.
Ein schwieriges Thema ohne Patentrezept.
Pibach
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Re: Sind Fahrradmarken nur Schall und Rauch?

Beitrag von Pibach »

alterfalter2 hat geschrieben: ...zumal die Produkte weder innovativer noch wertiger oder besser sind.
Also Bromptons, Moultons und Fridays profitieren sicherlich davon, dass jedes für sich einen bereits sehr weitgehend optimierten Grundentwurf mitbringt. Warum das keiner kopiert frag ich mich schon lange, ist vielleicht rechtliches Problem? Gleichzeitig verschließen sie sich ja gegen viele Innovationen. Z.B. 1 1/8" Steuerrohrsysteme. Noch besser wäre 1,5" dass könnte die Lenksäule viel steifer und leichter machen. Brompton nutzt keine Computersimulation, um z.B. mal die Belastungen im Hinterbau zu bestimmen und den Materialeinsatz dort zu optimieren. Und CNC gefertigte Teile gibt es da nicht. Sowas ist ansonsten alles längst Standard. Insgesamt sind die Produktionsmethoden die von Kleinserien und entstammen den 80er Jahren mit hohem manuellen Anteil. Wenn es nicht diese hohe Zahlungsbereitschaft gäbe, könnte das nie wirtschaftlich sein. Wieso die Zahlungsbereitschaft so hoch ist, dass sich diese Marken dennoch so halten können? Schwierig zu erklären. Offenbar trägt der britische Stil und der hohe Widererkennungswert mit dazu bei. Und dass die Dahons/Terns und anderen es irgendwie nicht schaffen, mal ein durchdachtes Rad auf die Beine zu stellen. Da kommt aber nur sowas wie das Curl dabei raus. Oder ein Jifo wird fremdeingekauft und zum Eezz dahonisiert.
Pibach
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Re: Sind Fahrradmarken nur Schall und Rauch?

Beitrag von Pibach »

Ich vermute mal die Markenvorlieben liegen auch sehr am Kaufverhalten. Für ein Dahon Mu XL liegt der UVP beispielsweise bei 1099,- EUR. Dafür kauft es aber kaum jemand, sondern erwartet einen gewissen Rabatt. Internet Preis liegt derzeit bei 849,- EUR. Immernoch ein stolzer Preis. Ich hab meine Räder deutlich günstiger gekauft. alterfalter wohl auch. Für die britischen Modelle muss man sich aber mit diesem Markt mehr auskennen. Z.B. auch mal bereit sein ein Rad dort abzuholen. Wer oft in England unterwegs ist, für den passt dass und kann tolle Schnäppchen erzielen. Ich glaub Speedsix hat sein Moulton auch auf diese Weise extrem günstig geschossen.
Motte
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Re: Sind Fahrradmarken nur Schall und Rauch?

Beitrag von Motte »

Warum das keiner kopiert frag ich mich schon lange, ist vielleicht rechtliches Problem?
Ja, natürlich. Wobei es viel Kapital bindet in allen wichtigen Märkten Schutzrechte (nicht immer ein Patent) zu besitzen und zu bewahren.
Lesenswertes dazu: http://www.rohloff.de/fileadmin/rohloff ... mes_04.pdf


Ist auch sicher kein Zufall, dass ein Speed TR von weitem einem NWT von Friday ziemlich ähnlich sieht. Brompton ist um 2004 in der EU massiv gegen Nachahmer vorgegangen. Ganz verhindern werden sie das nie.

Peter, man muss immer aufpassen ob man persönliche Vorlieben schildert, einem Trend folgt (ohne ihn zu hinterfragen) oder technische Aspekte diskutiert. Bocksteife Rahmen waren viele Jahrzehnte überhaupt nicht gefragt. Sie wurden zum "globalen feature" erklärt weil die billige Alu Produktion nix anderes zuließ (geringe Wandstärken bei großem Querschnitt). In einigen Bereichen hat das seine Daseinsberechtigung - aber nicht in allen. Im Touring Bereich zum Beispiel möchte gar nicht jeder jedes Splitkörnchen am Wackeln der Ohren ablesen können.
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