Pibach hat geschrieben:berlinonaut hat geschrieben:
Vor dem Profit steht erst mal die Investition ...Und bis dahin muss man es erst mal schaffen...
Nach Deiner Argumentation würde man sich also Neuerungen, zumal sie lukrativ sind, gar nicht annehmen, weil es Turbokapitalismus ist?
Sicherlich nicht. Aber die Aussage von Dir "Wenn etwas neue Effizienzlevel erreicht, ist das zuerst immer mit hohem Profit verbunden" ist - sagen wir mal - stark verkürzt...
Pibach hat geschrieben: Ziel ist hier die Auslastung der PKW.
Nö. Ziel ist nicht die Auslastung der PKW. Das Problem ist, dass Leute kreuz und quer von A nach B wollen, es Ballungszeiten gibt, wo das mehr Leute wollen (z.B. die morgendliche Rushhour) und Leerlaufzeiten (morgens um Drei). Würde vollständige Information über die Bewegungswünsche vorliegen könnte man einige dieser Wege zusammenlegen und so effizienter "reisen". Das ist im Prinzip das, was Busse, Tram, U-Bahn und S-Bahn in grossem Stil tun: Das ist bei Lichte betrachtet nichts anderes als eine gigantisch skalierte Mitfahrgelegenheit zu günstigen Kosten. Und das möchtest Du jetzt neu erfinden, nur schlechter und auf Basis von PKW.
Das zweite Problem was wir haben ist, dass die Strassenkapazität nicht mit dem Verkehr mithalten kann. In Berlin sind wir noch vergleichsweise gut dran, dennoch gibt es hier reichlich Stau und auch Falschparker. Das bedeutet also, die Kapazität des Verkehrssystems ist zu gering für die Menge an motorisiertem Individualverkehr. Das Problem bekommst Du gelöst durch mehr Strassenbau (das war die Vision der frühen Siebziger: "die autogerechte Stadt") oder weniger Autos. Weniger Autos kann heissen Umstieg auf Fahrrad, BVG, Motorroller oder eben Fahrgemeinschaften. Wobei letztere den geringsten Hebel haben, weil typischerweise vergleichsweise unzuverlässig, unflexibel, unkomfortabel und hoher Koordingationsaufwand. Auf dem Land ist das bei mittellangen Pendelstrecken durchaus üblich zum Zweck der Geldersparnis. In dem Szenario funktioniert das auch brauchbar. Das ist aber auch die einzige Motivation und funktioniert auch nur bei vorhersagbarem Transportbedarf, also z.B. Pendeln zur Schichtarbeit. In der Stadt glaube ich da nicht dran - da ist ÖPNV das effizientere Mittel.
Das Dritte Problem ist Dreck und Platzverschwendung. Das Bekommst Du durch Carsharing/Mitfahrgelegenheit (was von Beidem willst Du eigentlich?) gar nicht gelöst. Das ist ein Tropfen auf dem heissen Stein, bestenfalls eine Übergangslösung. Wenn das Ziel ein Lösen der Transportprobleme ist bei gleichzeitiger Entschlackung der Strassen und Verbesserung der Lebensqualität der in der Stadt wohnenden ist diese Art von Carsharing bestenfalls einen Fussnote der Entwicklung, mit der Perspektive auf selbstfahrende Autos irgendwann in den nächsten 50 Jahren (was ich für sehr konservativ halte) sowieso.
Für Kurzstreckenmitfahrgelegenheit gibt es btw. Flinc (
https://flinc.org/ ). Enstpricht evtl. dem was Du Dir vorstellst - so richtig das Haus rockt das nicht im Sinne einer Massenbewegung soweit ich weiss.
Pibach hat geschrieben:
Das sehe ich anders. Die PKW in Deutschland haben wenn ich das richtig im Kopf habe ein Durchschnittsalter von ca. 8,5 Jahren. Über 2/3 der Neuzulassungen sind Firmenwagen. Mit anderen Worten: Ein Carsharingkonzept, das darauf aufbaut basiert entweder auf Steuerhinterziehung und Querfinanzierung durch Arbeitgeber und den Staat oder auf vergleichsweise uraltem Material.
Es werden einfach die PKW besser ausgelastet. Das ist erstmal sehr sinnvoll. Ob das teilweise Firmenwagen oder ältere Autos sind - ist völlig schnurz in diesen Überlegungen.
Wenn steuerfinanzierte Autos dann plötzlich besser ausgelastet werden wäre es ja geradezu absurd, das verbieten zu wollen. Stattdessen muss man die Art der Finanzierung überdenken. Prima, diese Subventionen sollte man ja ohnehin abschaffen. Das ist aber wieder ganz andere Schiene in den Überlegungen.
Du merkst schon, dass Du beim Versuch ein Problem zu lösen auf einmal einen riesigen Rattenschwanz an neuen Problemen aufmachst, oder? Einfach nur, weil Du unbedingt eine bestimmte Lösung haben möchtest, völlig egal, ob die was taugt oder nicht...
Carsharing muss halt ein Anbieter die Autos vorhalten und instant halten und will natürlich daran verdienen. Das ist bei Mitfahrdiensten grundsätzlich anders. Da fährt der Eigentümer, prüft die Betriebsfähigkeit, usw, kurzum: das ist eine Größenordnung effizienter.
Das ist nicht um grössenordungen effizienter (im Gegenteil) - es sind lediglich die Kosten nicht transparent. Eine grosse, gleichartige Fahrzeugflotte zu warten und betriebsbereit zu halten ist immer effizienter als sich um ein einzelnes Fahrzeug zu kümmern... Mit anderen Worten: Die kommerziellen Carsharinganbieter haben erheblich günstigere Kostenstrukturen als ein einzelner Besitzer eines Privat PKW.
Da reicht es perspektivisch ja auch, wenn der Mitfahrobulus den (hoffentlich geringen) Mehraufwand für das Einladen eines Mitfahrers übersteigt. Die kommerziellen Mitfahrdienste (wie UberPop) braucht man eigentlich nur für die Übergangszeit, damit sich solche Konzepte zum Standardmodell entwickeln. Danach wird vrstl der Löwenanteil der Mitfahrten in P2P liegen, also wo der Fahrer für die Strecke, die er sowieso fährt noch Mitfahrer mitnimmt.
Das ist schließlich das effizienteste. Völlig unabhängig von allen weiteren Fragen (Versicherung, etc), die für diese Überlegung keine Rolle spielen und lediglich Details der genauen Umsetzung betreffen.
Nö. Ich bleibe dabei: Du hast Dich in ein konservatives, maximal ungeeigentes Modell verliebt und säufst Dir das jetzt schön. Alles, was dagegen spricht oder kompliziert wäre sind langweilige, irrelevante Detailfragen - es kann also gar nicht wirklich was dagegen sprechen

. Mit der Argumentation kann ich auch das Beamen für das Modell der Zukunft verargumentieren. Dafür braucht man ausserdem keinen Strassenplatz.
Edit: Quoting repariert.