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KampfradlerInnen, Blogspot

Verfasst: Do Okt 11, 2012 4:08 am
von Muc-Falter

Re: KampfradlerInnen, Blogspot

Verfasst: Do Okt 11, 2012 5:53 am
von Motte
Ausgemachter Schwachfug.

Auch wenn (wie so oft) einige vernünftige Argumente vorhanden sind. Meinungsbildungsprozesse betreibt man nicht über Gesetzesverstöße und den Aufbau eins "Kampfes gegen Gegner". In den Autos sitzen Menschen wie Du und ich - eventuell man selbst, nur in einer anderen Rolle.

"die Radfahrer", also als große anonyme Masse gesehen, bewegen sich nach meinen Wahrnehmungen eher als Anarchisten denn als rechtstreue Verkehrsteilnehmer. Mit einseitigen Schuldzuweisungen sollte man daher vorsichtig sein. Und Ramsauers "Kampfradler" gibt es ja - zum Glück (hier im Ruhrgebiet) nur vereinzelt.

Zuletzt erlebtes Beispiel: Die Straßenbahn bekommt ein neues Schienenbett. Dafür wird die Straße für Fahrzeuge aller Art gesperrt. (Absperrung und Schild in der Mitte). Die Radfahrer fahren dann natürlich über den Radweg einfach durch. Wenn dort eine Absperrung steht, wird über den Gehweg ausgewichen. Einer war sogar so dreist - selbst wütend, weil Baufahrzeuge "seinen" Weg blockierten, die Bauarbeiter mit seiner illegalen "Air Zound" wegzuhupen. Wir sind an der Ampel dahinter ins Gespräch gekommen - ihm war nicht einmal klar, dass er dort gar nicht hätte fahren dürfen. Er war der festen Überzeugung, das Schild gelte nur für die Fahrbahn und nicht für den Radweg. Das mag seine moralische "Schuld" etwas mildern - aber wie mag wohl die Szene für den Bauarbeiter ausgehen haben.

Von daher sollte man mit Verteilung der pauschalen Attribute "gut und böse" für Radfahrer/Autofahrer sehr zurückhaltend umgehen. Das wir eine andere Verkehrspolitik brauchen (und zwar dringend) die den Radverkehr in ein anderes Licht stellt, das würde ich damit nie in Frage stellen. Ich würde mir aber auch wünschen in der Schule grundsätzlich Verkehrsrecht als festen Bestandteil des Unterrichts in den oberen Klassen aufzunehmen. Dort wäre auch der Raum und die Zeit sich kritisch mit den heutigen Regeln und baulichen Gegebenheiten auseinander zu setzten.

Re: AW: KampfradlerInnen, Blogspot

Verfasst: Do Okt 11, 2012 8:41 am
von Pibach
Die meisten Regeln haben für den Radverkehr ja anders als für die Autos praktisch keinen Nutzen und passen auch gar nicht.
Von daher nicht verwunderlich, dass die oft nicht eingehalten werden.

Re: KampfradlerInnen, Blogspot

Verfasst: Do Okt 11, 2012 9:18 am
von Motte
Genau das meinte ich vorhin. Man selbst definiert - je nach momentaner Laune ob eine Regel gerade einen praktischen Nutzen hat und missachtet sie, wenn sie irgendwie grad nicht einleuchtet oder aufhält.

Eigentlich sollen Regeln "Verlässlichkeit und Sicherheit" geben und es einem ersparen sich in jeder Situation neu orientieren zu müssen. Das funktioniert aber nur, wenn sich die Mehrheit dran hält. Jede Regel hat es so in sich, dass sie nicht Jedem in jedem Augenblick nur Vorteile bringt.
(Der Fahrer des Pommeslasters findet das Rechtsfahrgebot auch nervig, wenn seine Läden nur auf der linken Seite sind und am Ende der Straße einfach wenden 30 Sekunden Zeitverlust bedeutet)

Re: KampfradlerInnen, Blogspot

Verfasst: Do Okt 11, 2012 9:46 am
von superfalter
Wer täglich einige KM auf dem Rad zurücklegt, besonders in Grosstädten kann die "alles dem Auto unterwerfende" Verkehrsplanung live erleben. Ich kann die Forderungen verstehen. Überall Blechhaufen wie eine grosse Herde Dinosaurier (wie ich die Riesenblechhaufen persönlich sehe) die sich behäbig bewegen und alles blockieren ob nun Fussgänger oder Radfahrer. Elend viel Krach udn Dreck verursachen. Soziale Strukturen in Städten dauerhaft zerstören/zerstört haben. Meine Vision der Zukufnt sieht Städte mit Radwegen wie in Holland und Copenhagen. Bei der Übermacht an "autofördernden" Strukturen kann einem nur der Hals anschwellen. Rammsauer sagt schon alles. Radwegeausbau ja jedoch mit weniger Mitteln. Hahaah.

Regeln sind dazu da um den Umgang zwischen Menschen zu organisieren, jedoch sollte die auch änderbar sein wenn sich die Rahmenbedingungen verändern.

Re: AW: KampfradlerInnen, Blogspot

Verfasst: Do Okt 11, 2012 10:28 am
von Pibach
Motte hat geschrieben: Jede Regel hat es so in sich, dass sie nicht Jedem in jedem Augenblick nur Vorteile bringt.
Also wir hatten das Thema ja schon oft.
Ich sehe das so, dass Verkehr ein coevolutives System ist. Die Individuen verfolgen ihr Ziele, die teilweise aber einander zuwider laufen, teilweise sind dann Regeln hilfreich, teilweise Koordination, etwa Ampeln. Erstmal beschränkt jede Regel die freie Zielorientiertung des Einzelnen. Ausserdem ist sie nicht situationsspezifisch, erzwingt also oft eine suboptimale Lösung in konkreten Fällen. Ob nun Regeln überwiegend eingehalten werden müssen und welche Regel überhaupt in der Summe nützlich ist, auch im Verhältnis zu dem Aufwand sie durchzusetzen, und zu der Unflexibilität, die zwangsläufig auch damit entsteht, ist komplexe Frage, die Details muss man genau überprüfen. Man kann hier vrstl die Regeln für Radfahrer recht umfassend flexibilisieren, nur die allerwenigsten müssen überhaupt überwacht oder geahndet werden.

In deinem Beispiel kann der Radfahrer ja wohl schon gut und gefahrlos dran vorbei. Wenn nicht, sieht er das vrstl. recht schnell.

Re: KampfradlerInnen, Blogspot

Verfasst: Do Okt 11, 2012 12:10 pm
von Muc-Falter
superfalter hat geschrieben:...Überall Blechhaufen wie eine grosse Herde Dinosaurier (wie ich die Riesenblechhaufen persönlich sehe) die sich behäbig bewegen und alles blockieren ob nun Fussgänger oder Radfahrer. ....
Diese Blechhaufen bewegen aber mehr Personen und Güter als Fahrräder. Und das relativ Wetterunabhängig das ganze Jahr über...
Fahrradfahrer werden jetzt schon viel weniger, bei Regen und im Winter siehst Du nur noch wenige. Diese steigen dann auch auf PKW und/oder bestenfalls auf ÖPNV um. Das bedeutet Fahrradfahrer entlasten den Verkehr nur temporär und es müssen andere Transportmöglichkeiten für sie weiter vorgehalten werden.
Etwa wie Solarenergie, nur passen Fahrradfahrer noch nicht mal in Akkus zur späteren Verwendung :mrgreen:

Re: KampfradlerInnen, Blogspot

Verfasst: Do Okt 11, 2012 12:13 pm
von Motte
In meinem Beispiel hat der Radfahrer eine Straftat begangen. Er hat es dem Überraschungsmoment oder dem Gleichmut der Bauarbeiter zu verdanken, dass es folgenlos blieb.

Was ich grundsätzlich ausdrücken wollte war, das Regeln eben nicht jeweils aktuell in er Konfliktsituation ausdiskutiert werden können - dann braucht sie keiner mehr. Sie sollen Grundsätze klarstellen.

Wenn man das ändern will - dann macht man das nicht über einen Verstoß gegen die Regeln, sondern über eine gesellschaftliche Initiative zur Änderung dieser Regel. Dafür muss man um Mehrheiten werben.

Re: KampfradlerInnen, Blogspot

Verfasst: Do Okt 11, 2012 1:02 pm
von Pibach
Motte hat geschrieben:In meinem Beispiel hat der Radfahrer eine Straftat begangen. Er hat es dem Überraschungsmoment oder dem Gleichmut der Bauarbeiter zu verdanken, dass es folgenlos blieb.

Was ich grundsätzlich ausdrücken wollte war, das Regeln eben nicht jeweils aktuell in er Konfliktsituation ausdiskutiert werden können - dann braucht sie keiner mehr. Sie sollen Grundsätze klarstellen.

Wenn man das ändern will - dann macht man das nicht über einen Verstoß gegen die Regeln, sondern über eine gesellschaftliche Initiative zur Änderung dieser Regel. Dafür muss man um Mehrheiten werben.
"Straftat" ja wohl nicht aber ggf. eine Ordnungswidrigkeit.
Aber wieso sollte ggf. ein Gericht sowas derart entscheiden, wenn die Anwendung der Regel in der Situation gar nicht sinnvoll war? Nur zum Selbstzeweck? Wäre doch recht dumm*
Um die Autorität des Rechtstates nicht zu unterminieren, meinetwegen.
In diesem Fall aber wohl eher die Autorität des Ordnungsamtes, das die Schilder (teils sinnlose) aufstellt.
Das geht aber auch durch gewisse Lückenhaftigkeit.
Daher schaut ein intelligentes Rechtssystem in solchen Bagatellfällen ja auch geschickt weg.
Hier in Berlin würde z.B. kein Polizist Dynamolicht einfordern, solange du irgendwie gut sichbar beleuchtet bist.
Ziel sind ja nicht die Regeln, sondern die Regeln sollen den Menschen dienen.
Die lückenlose Druchsetzung von Regeln ist ohnehin selten wirklich sinnvoll.
Denkbar wäre ja auch ein Ablauf, wo man die Regeln erst verfolgt, wenn Schaden entstand.
Das ist in vielen Fällen deutlich effektiver.
Kommt natürlich auf die Gefährdungslage, Nachahmungsgefahr etc an.
Daher macht man idealerweise eine Priorisierung nach Dringlichkeit.
Da Radfahrer allerdings sehr selten wirklich gefährden bzw. das in der Dringlichkeit absolut nachranging ist, könnte eine "Flexibilisierung" hier prinzipiell sehr sinnvoll sein.
In Frankreich wurde ja z.B. das Rothaltegebot für Radfahrer flexibilisiert, das geht schon mal in eine sinnvolle Richtung.

Zurück zu dem Beispiel.
Ich finde es da doch schon adäquat, den Bauarbeiter darauf hinzuweisen, wenn er unnötig etwas blockiert.
Wenn da Schienen auf der Straße verlegt werden ist der Radweg doch frei, oder?
Und wieso sollte der Radfahrer ggf. nicht ein Stück über den Gehweg dürfen?
Und das situationsbedingte "Überprüfen" von Regeln kann durchaus ein politisches Instrument sein.
Man kann ja nicht jedes Mal erst eine Innitiative einberufen


*gab da gerade im Spiegel einen Artikel "Am Ende des Weges", vom: 01.10.2012: "Ein hinfälliger 82-Jähriger tötet seine schwerkranke Frau und muss wegen Totschlags ins Gefängnis. Brauchen wir ein Altersstrafrecht?"
Also besonders extremer Sterbehilfefall. Da ließ das Strafrecht kein Strafmaß unter 3 Jahren Haft zu, obwohl der Richter wohl weniger geben wollte.

Re: KampfradlerInnen, Blogspot

Verfasst: Do Okt 11, 2012 1:08 pm
von derMac
Motte hat geschrieben: ihm war nicht einmal klar, dass er dort gar nicht hätte fahren dürfen. Er war der festen Überzeugung, das Schild gelte nur für die Fahrbahn und nicht für den Radweg.
Ich kenn die Stelle jetzt nicht, aber es ist IMHO durchaus nicht so, dass so ein Schild immer auch für den Radweg gilt, z.B. wenn dieser nicht auf der Fahrbahn verläuft.

Mac