Re: Recht haben oder Ruhe haben?
Verfasst: Di Aug 11, 2015 2:09 pm
Ich hab Recht und Du Deine Ruhe? 
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Genau, ich habe dann mehrere Straßen mit mehreren Busverbindungen, mehrere "Telefonleitungen" mit mehreren Telefonanbietern und mehrere Strom-, Wasser- und Abwasserleitungen mit mehreren Betreibern die allen meine Wohnung versorgen und aus denen ich Mündig wählen kann. Das Ganze ist natürlich per Definition effektiv, Marktkräfte und so. Kann man durch Spieltheorie beweisen. Sorry für die Polemik, aber was du hier schreibst ist ziemlich naiv.Pibach hat geschrieben:Ob das ein Anbieter der auf gewinnerzielung ausgerichtet ist besser schafft ist eine schwierige Frage. Das geht nur in bestimmten Rahmenbedingungen, u.a. ist dazu Konkurrenz erforderlich und ein mündiger Kunde, der aufgeklärte Entscheidungen fällen kann. Das ist die Herausforderung.
Das ist btw. falsch bzw. nur einer von mehreren möglichen Ansätzen und zwar der konservativste, weil er das System nicht in Frage stellt (und davon ab die Ratio Platzverbrauch, Energieverbrauch und bewegtes Gewicht im Vergleich zur Nutzlast/Transportkapazität beim PKW idR miserabel ist). Ein disruptiver Ansatz geht vom Problem aus, das es zu lösen gilt und das heisst Transport. Beamen wäre also durchaus eine valide Möglichkeit - klappt aber physikalisch nicht so richtig. ÖPNV oder Fahrrad wären andere. Man kann also die Fahrzeuge anstatt sie besser auszulasten auch einfach durch was anderes ersetzen.Pibach hat geschrieben:Relevant für die Überlegung war ja nur, dass es vordringlich ist, die Fahrzeuge besser auszulasten, damit es weniger werden können.

Spannend.berlinonaut hat geschrieben:Und auf einmal leben wir in einer Welt, die eigentlich keiner haben will, ausser den paar Profiteuren des Systems, die sich die Taschen noch mehr vollstopfen. Das ist der Grund, warum der Gegenwind für Modelle wie Uber so heftig ist.
Also die Konkurrenz besteht in erster Linie zwischen den Verkehrsmitteln. Wobei die idR. auch nicht parallel die selbe Strecke bedienen werden, das wäre ja ineffizient. Siehe z.B. Bahn und Fernbusse. Da drücken die Fernbusse auch gewaltig die Preise der Bahn. Die reagiert. Daher werden die Busse eben nicht unbedingt auf den direkten Bahnstrecken eingesetzt sondern vornehmlich zur weiteren Abdeckung. Dennoch wirkt diese Konkurrenz untereinander als Rückkopplungsprozess.derMac hat geschrieben: Genau, ich habe dann mehrere Straßen mit mehreren Busverbindungen, mehrere "Telefonleitungen" mit mehreren Telefonanbietern und mehrere Strom-, Wasser- und Abwasserleitungen mit mehreren Betreibern die allen meine Wohnung versorgen und aus denen ich Mündig wählen kann. Das Ganze ist natürlich per Definition effektiv, Marktkräfte und so. Kann man durch Spieltheorie beweisen. Sorry für die Polemik, aber was du hier schreibst ist ziemlich naiv.
Vor dem Profit steht erst mal die Investition und die ist mit reichlich Geld und reichlich Risiko verbunden. Da sind wir in Deutschland traditionell ziemlich schlecht aufgestellt - Risikofreude gehört nicht unbedingt zu den hervorstechenden deutschen Eigenschaften und zu denen der deutschen Kreditgeber schon gleich gar nicht. In den USA gibt es da eine ganz andere Kultur - dadurch sind z.B. Firmen wie Apple oder Google überhaupt erst entstanden. Wäre nicht grundlos in Deutschland nicht möglich gewesen. Die einzige Firma in der Liga, die mir in Deutschland einfällt ist SAP. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt haben die Gründer zu Beginn (lang ist's her) nächtliche Rechenzeit auf Uni(?)grossrechnern "geklaut" - hatten also eine "unfreiwillige Finanzierung."Pibach hat geschrieben: Wenn etwas neue Effizienzlevel erreicht, ist das zuerst immer mit hohem Profit verbunden,
Das sehe ich anders. Die PKW in Deutschland haben wenn ich das richtig im Kopf habe ein Durchschnittsalter von ca. 8,5 Jahren. Über 2/3 der Neuzulassungen sind Firmenwagen. Mit anderen Worten: Ein Carsharingkonzept, das darauf aufbaut basiert entweder auf Steuerhinterziehung und Querfinanzierung durch Arbeitgeber und den Staat oder auf vergleichsweise uraltem Material. Von Versicherungs- und Logistikproblemen mal ganz abgesehen. Carsharingmodelle wie Car2Go sind auf genau diese Probleme von Anfang an organisatorisch und technisch optimiert, sie sind einfach und komfortabel, haben reichlich Kapital im Hintergrund und lösen das Problem der Unterauslastung von Fahrzeugen (besonders die Free-floating-Modelle). Der Trend zum Fahrzeugbesitz geht in Ballungsräumen jetzt schon zurück und viele, die weiter ein eigenes Auto haben benötigen es auch wegen Familie oder Arbeitsweg (was u.U. sharing erfolgreich verhindert). In Berlin liegt je nach Anbieter, Standort die tägliche Auslastung eines Car-Sharing-Fahrzeugs modernen Konzepts zwischen vier und acht Fahrten pro Tag. Das ist drastisch höher als private PKW. Billig ist das aber nicht, wenn man es sich durchrechnet (meist so grob 50% der Taxikosten für die gleiche Strecke) und die Minutenpreismodelle haben z.B. wiederum den hässlichen Nebeneffekt ziemlich aggressiven Fahrstils bei vielen Fahrern. Der durchschnittliche Kunde mietet auch lediglich zwei mal im Monat ein Auto - überraschend selten. In Berlin sind das meines Wissens aktuell ca. 120.000 Kunden - da geht noch Einiges. Ein Carsharing-Auto ersetzt dabei btw. 10 - 12 Privat-PKW, so die Aussagen der Anbieter. (Alle Zahlen aus der Erinnerung - da können also einige Unschärfen drin sein). Grundsätzlich halte ich die Free-Floating-Modelle für Ballungsräume für ein absolut zukunftsträchtiges Konzept, allen aktuellen Schwächen zum Trotz und für viel zukunftsträchtiger als ein carsharing auf Basis von Privat PKW. Problem: Ausserhalb von Ballungsräumen funktioniert das Konzept so nicht. Die Asymmetrie von Angebot und Nachfrage führt in Berlin tageszeitabhängig zu Ballungen von verfügbaren Fahrzeugen an einer Stelle und zu einem Mangel an Anderen. Car2Go schränkt gerade sein Verbreitungsgebiet ein aus wirtschaftlichen Erwägungen auf Basis der Buchungen und Fahrten. Wer also an der falschen Stelle wohnt guckt in die Röhre. Und natürlich ist die Datenbasis, die man als User automatisch liefert ein feuchter Traum für jeden Werbetreibenden und Überwacher. Personalisierte, auf den Meter genaue Bewegungsprofile incl. Fahrverhalten, permanente Geschwindigkeitsüberwachung und was so ein Fahrzeug mit GPS und digitalen Messfühlern sonst noch so ausspucken kann bis hin zur Identifikation des aktuellen Lieblingsliedes anhand der Lautstärke des Radios.Pibach hat geschrieben: Die weit unter Auslastung betriebenen PKW sind da eine weitgehend brachliegende Ressource mit enorm Potenzial. Unbenommen kann man andere Verkerskonzepte vorantreiben. Im Vergleich sehe ich aber nichts, was so konkret und so umwälzend wäre. Denkbar wäre ja, dass - mal als Modellrechnung - bis 2025 ca 30% aller Fahrten per Mitfahrdienst abgewickelt werden und damit vielleicht 10% weniger PKW nötig wären.
Nach Deiner Argumentation würde man sich also Neuerungen, zumal sie lukrativ sind, gar nicht annehmen, weil es Turbokapitalismus ist?berlinonaut hat geschrieben: Vor dem Profit steht erst mal die Investition ...Und bis dahin muss man es erst mal schaffen...
Es werden einfach die PKW besser ausgelastet. Das ist erstmal sehr sinnvoll. Ob das teilweise Firmenwagen oder ältere Autos sind - ist völlig schnurz in diesen Überlegungen.Das sehe ich anders. Die PKW in Deutschland haben wenn ich das richtig im Kopf habe ein Durchschnittsalter von ca. 8,5 Jahren. Über 2/3 der Neuzulassungen sind Firmenwagen. Mit anderen Worten: Ein Carsharingkonzept, das darauf aufbaut basiert entweder auf Steuerhinterziehung und Querfinanzierung durch Arbeitgeber und den Staat oder auf vergleichsweise uraltem Material.
Carsharing muss halt ein Anbieter die Autos vorhalten und instant halten und will natürlich daran verdienen. Das ist bei Mitfahrdiensten grundsätzlich anders. Da fährt der Eigentümer, prüft die Betriebsfähigkeit, usw, kurzum: das ist eine Größenordnung effizienter. Da reicht es perspektivisch ja auch, wenn der Mitfahrobulus den (hoffentlich geringen) Mehraufwand für das Einladen eines Mitfahrers übersteigt. Die kommerziellen Mitfahrdienste (wie UberPop) braucht man eigentlich nur für die Übergangszeit, damit sich solche Konzepte zum Standardmodell entwickeln. Danach wird vrstl der Löwenanteil der Mitfahrten in P2P liegen, also wo der Fahrer für die Strecke, die er sowieso fährt noch Mitfahrer mitnimmt.Carsharingmodelle ...Der Trend zum Fahrzeugbesitz geht in Ballungsräumen jetzt schon zurück ...In Berlin liegt je nach Anbieter, Standort die tägliche Auslastung eines Car-Sharing-Fahrzeugs modernen Konzepts zwischen vier und acht Fahrten pro Tag. Das ist drastisch höher als private PKW. Billig ist das aber nicht,...
Problem: Ausserhalb von Ballungsräumen funktioniert das Konzept so nicht.
?derMac hat geschrieben: Es ging um das Fahren auf der Fahrbahn. Da gibt es üblicherweise nichts zu schlängeln und auch kein "Auf und Ab von Bürgersteigen".
Es geht bei diesen Mitfahrdiensten um eine dramatische Umwälzung des gesamten Mobilitätskonzeptes. Das hat mit Taxis und dem gerade konkreten Unternehmen Uber nur examplarischen Zusammenhang.derMac hat geschrieben: Ich hab nicht so viel Erfahrung mit Taxifahren in Berlin, aber anderswo ruf ich ein Taxi und das kommt in annehmbarer Zeit und fährt mich überall hin wo ich hinwill. Das einzige Problem in Berlin könnte jetzt sein, dass zu lange auf ein Taxi warten muss.