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Re: KampfradlerInnen, Blogspot

Verfasst: Do Okt 11, 2012 10:13 pm
von Sheygetz
Pibach hat geschrieben:Also hier hast Du offenbar mein Posting nicht so ganz gelesen oder verstanden.
Selbstverständlich sollten die Regeln einem Sinn dienen. Was denn sonst bitte?
Doch, doch, ich habe gelesen und leider auch verstanden. Du meinst, daß deine persönliche, subjektive Einschätzung der Sinnhaftigkeit einer "Regel" in (d)einer konkreten Situation irgendeine Relevanz hat. Ja, die Gültigkeit dieser "Regel" für dich in dieser Situation beeinflußt, wohlmöglich aufhebt.

Es ist bezeichnend, daß du ausweichend von "Regeln" redest als seien wir hier beim Halma. Es geht um Gesetze und Verordnungen. Diese sind von unseren Volksvertretern mal beschlossen worden und können auch von ihnen wieder geändert werden. Aber bis dahin gelten sie ohne Ausnahme für jeden. Dass sich nicht jeder immer dran hält, schon klar. Aber das Sich-nicht-dran-halten in den Kampf für eine gerechte Sache umzumünzen, ist doch ein arg durchsichtiges Manöver.

"Regeln" dienen nicht einem Sinn--sie dienen dem möglichst reibungslosen Miteinander in einer Gesellschaft. Sie können deshalb trotzdem einen haben und sicher ist das wünschenswert. Ich bezweifle übrigens auch nicht, daß zuständige Ministerien beim Einbringen der Vorlagen sich dabei jeweils etwas gedacht haben, die "Regel" also für sinnhaft erachtet wurde. Ich habe aber nicht den Anspruch, daß ich (und jeder andere der 79.999.999 Deutschen) das immer auch so sehe.

Und weil das ja auch ziemlich unwahrscheinlich ist, daß mehrere Menschen in einer konkreten Situation, hier Strassenverkehr, sich einig in ihrer Sicht sind, gibt es eben diese "Regeln".

Hendrik

Re: KampfradlerInnen, Blogspot

Verfasst: Fr Okt 12, 2012 1:04 am
von Pibach
Sheygetz hat geschrieben:... daß deine persönliche, subjektive Einschätzung der Sinnhaftigkeit einer "Regel" in (d)einer konkreten Situation irgendeine Relevanz hat. ...
Es geht mir eigentlich nicht nur um den einzelnen und dessen Subjektivität, sondern um alle Beteiligten und grundsätzliche Ziele und effizienten, nachhaltigen Verkehr. Ich hab ja extra ausgeholt mit Spieltheorie (Co-Evolutive Systeme und Normierung), durch die man hier Basisprinzipien modellieren kann (ähnlich auch in Rechtstheorie und -Soziologie) und wenn Du Dich da mal einließt, dann wird Dir vielleicht klar, dass starre Regeln insgesamt nicht so besonders günstig sind. Wenn stattdessen alle ein wenig mitdenken, und sittuattionsbezogen handeln, kann es eben viel effektiver sein. Das passiert ja auch schon zum sehr großen Teil. Sind ja auch nicht alle dämlich oder egoistisch.

Die juristische Schiene ist dabei auch nur eine (recht nebensächliche) Perspektive.
Wir hatten ja schon die Beispiele mit Radfahrwegzwang oder Dynamolichtvorschrift, beides strittig, und wird eben oft nicht befolgt. Und wenn der Radweg frei ist, wo ist denn das Problem, wenn man da dann langfährt? Das Schild kann ja nicht wissen, ob die Baustelle total undurchfahrbar ist oder gerade problemlos passierbar.

Wer sowas aber durchpressen möchte (was ja auch gar nicht realistisch wäre), würde die Qualität des Radverkehrs dramatisch verschlechtern. Das als Arguments herbeigeredete Schreckensszenario vom chaotischen, willkürlichen Verkehr hat damit garnichts zu tun und ist ziemlich weit hergeholt. Eine weitgehende Entkriminalisierung des Radverkehrs würde aber mal gut tun. Und Auto mit Fahrrad kann und darf man hier übrigens nicht gleichstellen, da sie sich u.a. in Gefährdung und benötigter Verkehrsfläche sehr stark unterscheiden.

Re: KampfradlerInnen, Blogspot

Verfasst: Fr Okt 12, 2012 5:59 am
von Motte
Moin Mac.
Ja, mein Post gestern ist leider etwas zu früh auf Sendung gegangen - konnte es nicht mehr korrigieren. Hast natürlich Recht, dass die Zuordnung sichtbar sein soll. Und da der KFZler dort (auf einem Radweg) nicht fahren darf wäre das Schild in der Mitte auch für ihn hemmend. Hatte das nur wegen der Aussage ..müssen den Radweg nutzen... etwas unglücklich gewählt. Wenn alles richtig gemacht wird, dann sollte (der Eindeutigkeit wegen) auch das Radweg Schild abgehangen werden. Z 250 gilt für die Straße - dazu gehören auch die Radwege. Es dominiert den blauen Lolly.


Wobei Baustellen im Normalfall ganz deutlich zeigen, welchen Stellenwert der Radverkehr "da oben" in der Verwaltung hat - nämlich keinen. Total bescheuerte Verkehrsschilder im Baustellenbereich wären mal einen eigenen Thread wert. Kann man wenigstens mal lachen.

Gruß

Udo

Re: KampfradlerInnen, Blogspot

Verfasst: Fr Okt 12, 2012 6:34 am
von Muc-Falter
Pibach hat geschrieben:.... Das als Arguments herbeigeredete Schreckensszenario vom chaotischen, willkürlichen Verkehr hat damit garnichts zu tun und ist ziemlich weit hergeholt.....
Den haben wir in gewissem Maße schon. Aber normalerweise ist es kein Schreckensszenario sondern Alltag der nur dann unangenehm auffällt wenn: Einer besonders rücksichtslos ist, oder einer sich bei jedem kleinsten Verkehrsverstoß aufregt.
Beispiel: Auto parkt zum beladen/entladen auf dem Radweg. Rücksichtsloser Autofahrer parkt so das kein Vorbeikommen mehr ist - oder Radfahrer kann problemlos vorbei, regt sich aber trotzdem auf....

Re: KampfradlerInnen, Blogspot

Verfasst: Fr Okt 12, 2012 7:32 am
von Muc-Falter
Manchmal braucht es gar keine Gesetze, bzw es wird an den Haaren herbeigezogen um den Radfahrern das Leben schwer zu machen:

http://www.abendzeitung-muenchen.de/inh ... 9a428.html

Was bitte an diesem Tendem schlechter sein soll als Touribusse die durch München karren kann ich nicht verstehen.

Zitat aus dem Artikel: "Ein weiterer Kritikpunkt des KVR ist die Manövrierbarkeit des Tendems. „Der Fahrer kann nur bremsen und lenken, nicht beschleunigen”, sagt Holz. „In brenzligen Situationen kann er nicht selbst aus dem Weg fahren.” Das Gefährt werde zum Verkehrshindernis."
Also werden Vorschriften so hingebogen das der Autoverkehr möglichst nicht behindert wird :!:

Re: KampfradlerInnen, Blogspot

Verfasst: Fr Okt 12, 2012 8:14 am
von Pibach
Also das Zeichen 250 "Verbot für Fahrzeuge aller Art" ist ja gutes Beispiel.

a) wird es von den Behörden ja oft so aufgestellt, dass es Radfahrer aussschließt, was aber oft gar nicht beabsichtigt ist oder ausreichend nachgedacht wurde. Beispielsweise bei Baustellen, Anliegerstraßen oder Landwirtschaftsverkehrstraßen. Teilweise wird das schon auch bewusst so beschildert, um Haftungsfragen abzuwälzen, denn der Zusatz "Radfahrer frei" bzw. das Schild 260 (Kraftfahrzeuge verboten) hätte bestimmte verkehrsrechtliche Implikationen, die ggf. für die Behörden heikel sein können. Für Radfahrer sind diese Spitzfindigkeiten aber in den allermeisten Fällen nicht relevant und er könnte problemlos durchfahren. Jedenfalls ergibt sich das Problem, dass er damit schlecht einschätzen kann, ob er überhaupt bewusst addressiert wurde. Beispiel:
Bild
b) ist es für den Radfahrer ja die Anweisung abzusteigen. Eigentlich meint es aber: er soll besonders vorsichtig sein bzw. er fährt hier auf eigene Gefahr.
c) hält sich im Zweifelsfall ja kaum ein Radfahrer daran und würde da ganz normal durchfahren. Solange er keinen stört oder gefährdet ist das ja auch unproblematisch. Nun kann man sich über die Radfahrer aufregen, die sich nicht daran halten oder versuchen, das mal zu "entkriminalisieren".

Es gibt jedenfalls sehr viele solcher "etwas lückenhaften" Regelungen. Es ist nicht so einfach, die alle perfekt abzustimmen, so dass sie für alle Verkehrsteilnehmer Sinn machen und auch die juristischen Implikationen beherrschbar bleiben. Daher wird eben auch nicht immer so genau drauf geachtet, sei es von Seite der Radfahrer oder der Ordnungshüter.

Re: KampfradlerInnen, Blogspot

Verfasst: Fr Okt 12, 2012 8:36 am
von Pibach
Das TENdem:
Bild
Muc-Falter hat geschrieben:Das Gefährt werde zum Verkehrshindernis.
Ja. Das ist auch ein generelleres Problem. Auch das Bierbike wurde ja verboten.

Und (schnelle) Tretroller dürfen nicht auf der Straße fahren, E-Tretroller sind ganz verboten usw.

Es wird halt immer nach Worst-Case-Eventualitäten entschieden. Und befürchtet, damit eine Armada potenziell illegaler, hinderlicher oder gefährlicher Fahrzeuge in den Straßenverkehr zu holen.

Ob das in der Praxis dann so käme oder überhaupt relevant wäre, und wie gefährlich oder behindernd diese Fahrzeuge tatsächlich wären - weiß dagegen keiner so genau.

Der positive Effekt, den solche Gefährte auf die "Entspannung" des Verkehrs hätten, wird dabei ignoriert bzw. durch das Verbot verhindert.

Hier müsste man grundsätzlich mal Flexibilisieren.

Solche Vorstöße wie die des TENdems sind da ja sehr zu begrüßen.
Und eigentlich auch jeder Tretrollerfaher der auf der Straße fährt.
Wenn das eine gewisse Zeit gut funktioniert, dann steigen auch die Chancen auf eine offizielle Zulassung.
Andersrum, also erst eine Initiative starten und eine Gesetzesänderung oder Ausnahmegenemigung zu bewirken ist dagegen ja recht aussichtslos.

Edit:
solche Tretroller zum Beispiel:
Bild

Re: KampfradlerInnen, Blogspot

Verfasst: Fr Okt 12, 2012 9:15 am
von Muc-Falter
Das Bierbike sehe ich in einer anderen Kategorie da es eher als Partymobil mit lauter Musik durch die Stadt rollte, deshalb würde ich TENbike und BIERbike nicht vergleichen.

Aber die Argumente des KVR zielen, bis auf die umstrittene maximale Länge, auch auf die Fahrradrikschas. Nachdem diese Rikschafahrer wegen überzogener Preise zu Zeiten des Oktoberfestes schon in der Kritik standen... wer weiss, vielleicht sind diese die nächsten?

Ganz klar, ein Umbau von Taxi auf Rikscha, von Bus auf TENdem ect scheint einigen übel aufzustossen. Schade, dabei soll doch München Radlhauptstadt sein....

Re: KampfradlerInnen, Blogspot

Verfasst: Fr Okt 12, 2012 9:26 am
von Pibach
Muc-Falter hat geschrieben:Das Bierbike sehe ich in einer anderen Kategorie da es eher als Partymobil mit lauter Musik durch die Stadt rollte, deshalb würde ich TENbike und BIERbike nicht vergleichen.

Aber die Argumente des KVR zielen, bis auf die umstrittene maximale Länge, auch auf die Fahrradrikschas. Nachdem diese Rikschafahrer wegen überzogener Preise zu Zeiten des Oktoberfestes schon in der Kritik standen... wer weiss, vielleicht sind diese die nächsten?

Ganz klar, ein Umbau von Taxi auf Rikscha, von Bus auf TENdem ect scheint einigen übel aufzustossen. Schade, dabei soll doch München Radlhauptstadt sein....
Ja, das Bierbike ist etwas anders ausgerichtet, zeigt aber das Problem: die Regelungen haben Schwierigkeiten all das abzudecken.

Ich fände ja auch solche Doppel-Trikes interessant für Sight-Seeing Touren:

Insgesamt würde der Verkehr mit solchen Gefährte im Innenstadtbereich wohl deutlich "entspannter".

Re: KampfradlerInnen, Blogspot

Verfasst: Fr Okt 12, 2012 10:23 am
von Motte
Hat eigentlich nicht vordringlich mit Radfahren zu tun. In Deutschland sind "Menschen mit einem gewissen Spleen" immer gleich verrückt und gefährlich. Das sehen andere Völker wesentlich gelassener. Die Briten und die Niederländer haben ein Unzahl muskelgetriebener Absonderlichkeiten im Verkehr. In NL staune ich immer, was es so alles (an Fahrrädern) gibt und was ich hier (60 Km) ostwärts noch niemals gesehen habe.

Das ist eine innere Einstellung - die kann man nicht verordnen. Und so lange die nicht von selbst kommt, bewegt sich hier auch nicht viel. So lange jeder glaubt er habe ein Grundrecht auf schnelles fahren und dahinter hätten die Anderen gefälligst zurück zu treten, so lange wird hier auch jeder gegen jeden "kämpfen" und sich dabei aufreiben. Autofahrer, die sich stets im Kampf gegen ihresgleichen und Radfahrer/Fußgänger sehen (gilt auch für Radfahrer) werden irgendwann die Konsequenzen zu tragen haben. Entweder in Form von Magengeschwüren oder einem Denkzettel "des Staates". Glücklich macht das auf Dauer nämlich nicht.

Persönlich würde ich ja zu gern mal in einem "Lindwurm" durch die Gegend fahren - fand das Lindwurm Taxi in Germersheim schlicht genial.http://www.youtube.com/watch?v=Q3w6aerpgUQ