Leider machen manche professionelle "Schriftsteller" der Professionalität keine Ehre (Einer hat kürzlich Leistung als Produkt von Kraft mal Weg definiert
Leistung ist gleich Drehmoment mal Winkelgeschwindigkeit. L = M x Phi/t (Leistung = L; Drehmoment M = F x r (F = Kraft; r = Hebelarm; Phi = Drehwinkel; t = Zeit).
Für des Radler's Muskelleistung sind Winkelgeschwindigkeit und Kraft (--> Drehmoment) wählbar, und das nur in bestimmten Grenzen (oberes und unteres Limit).
Gibt der Radler sich eine Trittfrequenz (Kadenz) vor, folgt zusammen mit einer eingestellten (festen oder schaltbaren) Entfaltung (Übersetzung) eine Geschwindigkeit. Diese Geschwindigkeit definiert mit bestimmten, äußeren Bedingungen (Wind, Steigung, Fahrbahn Lagerreibung, Luftwiderstand (abhängig von der Körperhaltung..)) eine Leistungsanforderung. Lerforderlich = Fahrwiderstand mal Geschwindigkeit ; (L = Fw x v)
Nach der Leistungs-Gleichung für die Muskeln muß der Radler mit einem bestimmten Drehmoment und Kadenz pedalieren, um die erforderliche Leistung mit seiner Muskelleistung ins Gleichgewicht bringen. Können seine Muskeln die erforderliche Kraft nicht aufbringen, sinkt die Trittfrequenz solange bis Gleichgewicht herrscht. Falls der Radler mit größerer Kraft tritt, steigt die Geschwindigkeit bis wieder Gleichgewicht herrscht. Das System Rad und Radler ist bezüglich der Leistung ein ("automatisches") Regel-System.
Beim Einsetzen des Wiegetritts geht es entweder um eine kurzzeitige Geschwindigkeitssteigerung (Zielsprint, Antritt, Anfahren..) oder bei konstanter Geschwindigkeit um eine kurzzeitige Leistungsteigerung (zB wegen einer kurzen Rampe, Kopsteinpflaster-Strecke u.a.). Manchmal wird der Wiegetritt eingesetzt, um andere Muskelgruppen stärker zu belasten als die üblichen (Stichwort Entspannung von Muskeln, Gelenken, Gesäß...)). Das ist für eine Leistungsbetrachtung aber unwesentlich.
Ein Wiegetritt eines Radlers , der für längere Strecken > 5 [km] bei einer konstanten (optimalen) Trittfrequenz eingesetzt würde oder worden ist (Natürlich durchgängig ohne Ruhepause auf dem Sitz), ist mir nicht bekannt.
Die Definition einer optimalen Trittfrequenz bei Wettbewerbsfahrern im Sitztritt ( Häufingspunkt ~ 90 [U/Min] = Literaturwert aus vielen Quellen) bezieht sich immer auf einen großen Zeitraum (> 1 Stunde, zB 4-6 Stunden sind bei Straßenrennen häufig). Die auch genannten 110 [U/Min] beziehen sich auf eine kleinere Dauer (Stunden-Weltrekord) und markieren da den Maximal-Wert eines Rekord-Radlers. Auch der Berg-Wiegetritt (Beispiel Doping-Experte L. Armstrong) ging nie über den ganzen Anstieg entsprechend 1 Stunde ( zB mit 20 [km/h] über 20 [km] ), sondern blieb deutlich darunter. Die Dauer war vielleicht 6 Minuten (= 2,0 [km]. Armstrong fiel mit seinem Berg-Wiegetritt wegen der Frequenz, Länge und auch der Häufigkeit auf.
Die Etablierung einer optimalen Trittfrequenz beim Wiegetritt sehe ich wegen der Kürze der Dauer und den verschiedenen Geschwindigkeits-Bereichen nicht, da die Absicht des Fahrers diese Frequenz variabel steuert (Ein Antritt im Berg findet bei anderer Geschwindigkeit statt als der Antritt in der Ebene für einen Tempo-Vorstoß oder beim Zielsprint). Von daher kann es auch keine "ideale" Kadenz für den Wiegetritt geben. Ein Einfluß auf die Stufung einer Schaltung ist reine Spekulation. Am Verlauf der Fahrleistungskurve in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit ändert sich auch nichts.
Hier nun der Link zu Fahrwiderstandsleistung vs Geschwindigkeit von Schwalbe (Reifen):
http://www.armins-radhaus.de/app/downlo ... chInfo.pdf (Dort auf Seite 16)
"Zitat @P.Pibach: Der ideale Candenzbereich ist jedenfalls beim Wiegetritt niedriger als beim Sitztritt. Sollte eigentlich jedem Radfahrer klar sein".
Ist mir leider nicht klar ! Nur weil @P.Pibach gern mit mit geringer Kadenz und großer Kraft im Wiegetritt fährt, muß diese Fahrweise nicht jedem anderen aufs Auge gedrückt (verbindlich vorgeschrieben) werden.
MfG EmilEmil