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Re: Wie viele Gänge braucht das Faltrad?

Verfasst: Mi Mai 02, 2012 1:54 pm
von Eule
Hallo EmilEmil,

gefallen mir sehr gut Deine Ausführungen. :)
Ergänzend fällt mir noch ein, dass bei kleineren Rädern meiner Meinung nach auch größere Sprünge zwischen den Gängen haben kann. vor Geraumer Zeit hatte ich mal die Umfänge meiner Reifen gemessen.
Das 20er Faltrad mir 50er BA'S, hatte einen Umfang ca 1,6m mein altes Trekking/Cross Rad mir 37er Mararathon ca. 2,2 m. Beim Faltrad mache ich häufig (in der Stadt) zwei Schaltsprünge mit der Rohloff.

Zum Ursprungsthema:
Also ich nutze von den 14 Rohloffgängen 7 - 8 sehr häufig. Die unteren Gänge nutze ich eigentlich nur wenn es recht steil ist, der Gegenwind stark oder ich hinter einer sehr lahmen (fußgänger) Gruppe hinterherzuckeln muß :(

Eule

Re: Wie viele Gänge braucht das Faltrad?

Verfasst: Mi Mai 02, 2012 2:00 pm
von Motte
Moin Emilemil,

ergänzen möchte ich das noch mit der Bemerkung, dass einfache Bedienung letztlich auch eine große Rolle spielt. Von daher wäre ein (1) Schalthebel immer besser als zwei und eine Schaltung die linear rauf oder runter schaltet besser als eine wo die Entfaltung (Dual Drive/ 2/3fach Kettenblatt) erst einmal "in die Knie" geht.
Für die Stadt können zu viele Gänge auch sehr störend wirken. Zumal bei Kettenschaltung dann irgendwann die Long Cage Schaltwerke ran müssen, wenn die Ritzel sehr groß werden.

Re: Wie viele Gänge braucht das Faltrad?

Verfasst: Mi Mai 02, 2012 2:54 pm
von TomK
@EmilEmil Sehr gute Zusammenfassung.
EmilEmil hat geschrieben:Rennrad-Entfaltungen über 10,00 m sind nicht zu erreichen
Keine Regel ohne Ausnahme, mit der Alfine 11 wäre es theoretisch möglich. Am Brompton käme sie mit 50/13 auf eine Entfaltung 2,7m bis 10,9m. ;-)

@Motte Jep, ein einzelner Schalthebel für schneller/langsamer ist definitiv ein Komfortgewinn.

Re: Wie viele Gänge braucht das Faltrad?

Verfasst: Mi Mai 02, 2012 8:08 pm
von Muc-Falter
Motte hat geschrieben: Für die Stadt können zu viele Gänge auch sehr störend wirken...
Die Dual Sram hat viele Gänge, man schaltet in der Stadt meist nur wenige, aber man kann sich auf die momentane Fahrsituation und die Tagesverfassung gut einstellen.

Es soll für einen bequem zu schalten sein....

Re: Wie viele Gänge braucht das Faltrad?

Verfasst: Do Mai 03, 2012 8:42 am
von EmilEmil
Allen mein Kompliment für die Ergänzungen,
mir fällt noch ein, daß ich bei der Mittelklasse eine selbstverständlich mögliche 1x10 Gang Kettenschaltung nicht erwähnt habe. Die Frage der Bequemlichkeit einer Schaltung (sequentielles System) ist für den normalen Radler(in) sehr wichtig. Die Alfine11 kann mit der max. internen Übersetzung von 2,153 bei den Faltradlern punkten. Nach meiner eigenen Erfahrung benutze ich bei der i-Motion9 (Entfaltung 2,20m bis 7,48 m) bei einer Standardrunde ( 60 km,hügelig) die acht größten Gänge regelmäßig. Die Entfaltung von 2,20 m (1.Gang) kommt selten zum Einsatz, ist jedoch manchmal notwendig, wenn es steiler bergauf geht (da schaffe ich 13%) und vor allem hat man bergauf die Möglichkeit, mit höherer Trittfrquenz zu fahren (um zB "Druck" aus den Kniegelenken zu nehmen!) . Das ist auch dann nützlich, wenn einem am Anfang der Saison oder nach einer Pause noch einige Konditionsprozente fehlen.
MfG EmilEmil

Re: Wie viele Gänge braucht das Faltrad?

Verfasst: Do Mai 03, 2012 9:51 am
von Pibach
Da fehlen aber noch sämtliche Überlegungen zur Biomechanik.
Ist nämlich mitnichten so, dass eine feste Cadenz am effizientesten ist.
Oder im Sattel sitzend.
Stattdessen ist der ständige Wechsel wohl am effektivsten, da man unterschiedliche Muskelgruppen belastet (und entlastet).
Wenn nun die Fahrstrecke entsprechend abwechslungsreich ist, dann passt das damit demnach ideal.
D.h. wenn die Strecke ständig stop and go hat, Hügelchen und Flachstrecken sich abwechseln,
dann ist man mit einem Gang völlig ausreichend bedient und nicht lansamer oder anstrengender als mit vielen Gängen.
Wer Knieprobleme hat, der sollte sowieso mehr Wiegetritt probieren, ist für die Knie schonender.

Gerade ein Faltrad sollte, weil man es eben immer dabei haben möchte und viel trasportiert, möglichst einfach sein. D.h. auch am besten wenig Komplexität bei der Gangschaltung.

Hier darf ich noch mal mein äteres Posting zitieren, dass dies genau zusammenfasst:
"bei kurzen Beschleunigungen bin ich mit nur einem Gang (minimal) schneller (im Wiegetritt) als mit Schalten aus dem Sattel. Am schnellsten im 6. Gang (sind ca 80 Gear Inches). Jedenfalls nicht langsamer. Auf allen anderen Strecken ist man 0-10% langsamer als mit Schaltung, je nachdem ob man öfter mal Gegenwind hat (der ist dann tödlich), oder Steigungen (kurze Steigungen sind kein Problem aber lange). In einer (flachen) City wie Berlin mit viel Stop and Go reicht mir ein Gang besser (alles im 6. Gang ohne schalten nur geringer Performanceverlust gegenüber Schalten, <5%) als bei längeren Strecken Überland (ca 10%).

Hätte ich allerdings ein echtes Single Speed Rad würde ich dafür ca 3% verbesserte Performance erwarten (wg. Verlust in der Nabenschaltung).

Dafür wird das Rad einiges leichter (im Vergleich zur Nexus Premium etwa 1,5 kg für Nabe+Drehgriff-Singlespeed Nabe) und ist damit besser zu transportieren. Summa Sumarum muss man sich wirklich fragen, ob sich eine Schaltung überhaupt lohnt."

Re: Wie viele Gänge braucht das Faltrad?

Verfasst: Mi Mai 09, 2012 12:57 pm
von EmilEmil
Also lieber Freund Pibach,
Deine Aussagen zur Biomechanik sind sehr fragwürdig.
"Ist nämlich mitnichten so, dass eine feste Cadenz am effizientesten ist"
Parade reposte : Alle Stunden-Weltrekorde sind mit einer festen Kadenz von gut 100-105 U/Min. gefahren worden.
"da man unterschiedliche Muskelgruppen belastet und entlastet"
Parade reposte : Die Gruppe zur Bewegung der unteren Extremitäten bleibt, innerhalb der Gruppe gibt es eine Lastumlagerung : Die Oberschenkelmuskeln werden beim Wiegetritt stärker belastet. (Entsprechendes gilt für die Arm- und Rumpf-Muskeln).
Der Wiegetritt geht in Richtung Laufen, daß das für die Knie besser sein soll, ist mir unverständlich. Ich bin vorgestern auf einer 55 km-Runde einige Male Wiegetritt gefahren. Zu Anfang gehen 300 m und am Ende nur 100 m, bis man die Sache wegen Muskelübersäuerung abbricht. Ich kann mich erinnern, daß ich mich als junger Mensch leichter getan habe. Aber damals war ich aktiver Leichtathlet, die Oberschenkel hatten mehr Durchmesser ! Trotz 3000 km/Jahr Radeln befinde ich mich im abgestandenen Lebensalter !
Als medizinischen Unterlagen weiß ich, daß man für längeren Wiegetritt ein Spezial-Training braucht. Interessanterweise beinhaltet das, daß man mit unterschiedlichen Kadenzen und Entfaltungen fahren muß. Man muß also zuerst eine Schaltung haben, um die Schaltung abzuschaffen. :lol:
Ob Du mit einem Mix von 50% Sitztritt und 50% Wiegetritt auf einer Strecke von 55 km (Von Frohnau bis Lichtenrade) zurechtkommst, da hab ich so meine Zweifel. Aber vielleicht ist alles nur Theorie.
Notfalls hilft es ja, die Strecke nach den eigenen Bedürfnissen und Fähigkeiten auszuwählen.
Ist schon legitim, mach ich ja selber : Wenn ich mit 2,20 m Entfaltung unterwegs bin, versuche ich nicht 20 % Steigung zu fahren, dann ist bei 13 % Schluß.
"....möglichst einfach sein. D.h. auch am besten wenig Komplexität bei der Gangschaltung"
Ich weiß´nicht was zB an einer zeitgemäßen Schaltung ala i-Motion9, Alfine11 oder Rohloff Speedhub besonders komplex sein soll. An meinen drei i-Motion9 (5000 km, 2000 km, 1000 km) ist nichts Komplexes, im Gegenteil zusammen mit dem Chainglider bilden sie ein Schmiere-freies, Wartungs-armes und zuverlässiges System, daß für ein langes Leben der Kette sorgt (Prognose 20 000 km), für saubere Hosen beim Fahren und saubere Hände beim Falten und Transportieren.
Ich will nicht verschweigen, daß die Getriebenaben mit einem Gewichtsnachteil gegenüber einer Kettenschaltung und natürlich gegenüber einem Eingang leben müssen.
Aber für jemand, der zB die DualDrive (3-Gang !) wegen des angeblich so großen Gewichts (980 g) tadelt, andererseits keine Hemmungen hat, die mit Fliehgewichten ausgestattete Sram Automatix-Nabe (2-Gang; auch 980 g !) zu empfehlen, frage ich mich, ob nicht mit verschiedenen Maßstäben gemessen wird.
Aber, Du als Befürworter des Eingang-Antriebs, fährst in der Realität eine Getriebenabe und eine Kettenschaltung. Wie,bitte ,passt daß zusammen ?
Daher schlage ich vor, daß Du innerhalb des nächsten Jahres mal ein Eingang zusammenschraubst und uns dann über die tägliche Praxis ausführlich berichtest. Besonders über Knie-Belastung beim Wiegetritt bin ich neugierig, etwas aus erster Hand zu erfahren. Gegen einen Bericht über den Aufstieg zum Großglockner hätte ich auch nichts einzuwenden. Für den Abstieg stelle ich Dir einen Besenwagen zur Verfügung ! Warum wohl ? :lol:
MfG EmilEmil

Re: Wie viele Gänge braucht das Faltrad?

Verfasst: Mi Mai 09, 2012 4:01 pm
von Pibach
EmilEmil hat geschrieben: Deine Aussagen zur Biomechanik sind sehr fragwürdig.
Ja. Biomechanik ist nicht so leicht zu berechnen. Man darf sie aber nicht vernachlässigen.
Beim Stundenweltrekord scheint die feste Cadenz effizienter. Offenbar liegt das aber an fehlenden Erholungsphasen. Schaut man sich Radrennen an, wechseln die Fahrer zwischen Sitz- und Wiegetritt und damit unterschiedlichen Cadenzen. Und insbesondere Armstrong ist ja bekannt dafür, dass er längere Strecken im Wiegetritt fährt.

Zur Steigung: Eine typische Singlespeed Übersetzung hat bei angenehmer 80er Cadenz "Reisegeschwindigkeit" also etwa 30km/h. Bei 120 Cadenz kommt man dann bis ca 45km/h, dann ist Schluß. Eine 12% Steigung gelingt dann noch, bei etwa 20er Cadenz im Wiegetritt bei ca 7,5 km/h. Höhere Steigungen muss man Schieben, ist dann aber nicht unbedingt viel langsamer. Von daher deckt ein Gang schon erstaunlich viel ab.

Wegen Knie: die bewegen sich beim Wiegetritt weniger, bei Hauptbelastungsphase ist das Bein nahezu gestreckt, die besonders hohe Belastung in extremer Beuge wird also vermieden. Dazu wird Arm und Oberkörper noch mit eingesetzt.

Zur SRAM Automatix, die hat in den 980 g ja auch die Bremse, für die man ansonsten ca 300g veranschlagen müsste. Ausserdem spart man Schaltzüge und Hebel. Ist also von Gewichtsaspekt schon günstig. Geringfügig leichtgewichtiger ist nur noch ein Schlumpf Getriebe. Die Dual Drive vereint dagegen viele Nachteile, unter anderm viel Gewicht für Gangbereiche, die man nicht unbedingt nutzt. Aber das hängt natürlich von den Strecken ab.

Re: Wie viele Gänge braucht das Faltrad?

Verfasst: Mi Mai 09, 2012 10:10 pm
von katapult
Jedes Singlesppeed hat im Prinzip drei Gänge:
Sitzen, Stehen und Schieben.
Abgesehn davon das man damit alles machen kann ist die ganze Effizienz- und Biomechanikdiskussion scheisegal solange es spass macht.
Das kann wiederum nur jeder für sich selbst entscheiden.

Re: Wie viele Gänge braucht das Faltrad?

Verfasst: Do Mai 10, 2012 7:17 am
von Momomuck
Pibach hat geschrieben:Zur Steigung: Eine typische Singlespeed Übersetzung hat bei angenehmer 80er Cadenz "Reisegeschwindigkeit" also etwa 30km/h. Bei 120 Cadenz kommt man dann bis ca 45km/h, dann ist Schluß. Eine 12% Steigung gelingt dann noch, bei etwa 20er Cadenz im Wiegetritt bei ca 7,5 km/h. Höhere Steigungen muss man Schieben, ist dann aber nicht unbedingt viel langsamer. Von daher deckt ein Gang schon erstaunlich viel ab.
80er Kadenz - 30 km/h - Rennrad Unterlenker - ca. 150 Watt, Rennrad Oberlenker - ca. 200 Watt
120er Kadenz - 45 km/h - Rennrad Unterlenker - ca. 450 Watt, Rennrad Oberlenker - ca. 630 Watt
20 Kadenz - 7,5 km/h - 12 % Steigung - ca. 210 Watt

Ich fahre nun seit 4 Jahren mit dem Rad, 150 - 160 Watt Ausdauerleistung sind bei mir möglich ...

Die Position auf den meisten Rädern entspricht aber nicht der RR Ober-/Unterlenker Haltung, sondern der MTB Haltung, ebenso ähnlich sieht es bei den Reifen aus. Daher kannst Du schon bei der "geringen" Herausforderung 80er TF /30 km/h eher mit 230 Watt ausgehen, bei 120er TF / 45 km/h bei ca. 730 Watt.

Ich kenne (fast) keinen Hobby Fahrer, der diese Leistungen dauerhaft auf die Strasse bringt. Na ja, sind ja auch schon alle etwas älter und haben es nicht ganz so eilig ... in der Ruhe leigt die Kraft

Nicht ganz so ernst nehmen, jeder schaut durch sein Fenster und sieht eine andere Welt ... aber mit einer Entfaltung von ca, 6,3 Meter möchte ich nicht an jeder Ampel anfahren ... aber Gewohnheit spielt da auch eine Rolle, ich kenne da Jemanden, der nimmt mit seinem Singlespeed Steigungen, die so mancher Andere bereist schiebt.