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Bike Friday verkauft Anteile

Pocket Llama, Tikit, New World Tourist, ..
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berlinonaut
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Bike Friday verkauft Anteile

Beitrag von berlinonaut » Sa 12. Aug 2017, 13:24

Wer immer schon mal (Mit-)Inhaber eines Faltradherstellers sein wollte hat jetzt die Gelegenheit dazu: Bike Friday möchte im 25. Jahr ihres Bestehens expandieren und braucht dazu Geld. Daher geben sie Firmenanteile ab. Wer investiert bekommt dafür auch noch lebenslang Rabatte auf BF-Räder, bis zu 15% Rabatt sind drin (abhängig von der Investitionshöhe), ein Anteil kostet 5$, ab 300$ geht's los. ;) 2000 nicht-stimmberechtigte Anteile sind zu haben, insgesamt wollen sie mindestens 100.000$ einnehmen, bei Erfolg ist noch eine zweite, grössere Runde geplant.

https://www.startengine.com/startup/bik ... 20a600033d

Das Problem, das BF lösen will ist recht simpel: Fahrräder sind Saisonware, im Winter geht nicht viel. Bike Fridays sind nahezu alle Individualanfertigungen (90% built to to order). D.h. im Frühjahr stehen die Leute Schlange, die Lieferzeiten werden sehr hoch, die Kapazitäten reichen nicht - eine Menge Kunden können nicht bedient werden und gehen anderswo hin. Im Winter gibt es dafür nichts zu tun. Durch das Direktvertriebsmodell von Bike Friday, das für 55% der Verkäufe und vermutlich noch höhere Anteile am Umsatz verantwortlich zeichnet, wird das Problem nicht besser - der Einzelhandel als Multiplikator und finanzieller wie Produktionspuffer durch Kauf von Lagerware fehlt. Durch die geringen Produktionsmengen müssen sie für die verbauten Teile zudem sehr hohe Einkaufspreise zahlen.

Als Gegenstrategie wollen sie nun im Winter Standardmodelle auf Vorrat bauen und diese in der Saison als Ergänzung der Massgefertigten verkaufen - damit würden sie einerseits die bisherigen Leerlaufzeiten eliminieren und andererseits die Nachfrage besser bedienen können - in der Annahme, dass gar nicht jeder ein massgeschneidertes Rad haben will. Um das tun zu können brauchen sie Geld - daher die Investitionsmöglichkeit. Bisher ist das nur für US-Bürger zu haben, das soll sich aber in den nächsten Tagen ändern.

Unter Investitionsgesichtspunkten ist das vermutlich nicht so der Kracher, da
The Company has never paid a dividend and does not intend to pay dividends in
the foreseeable future, which means that shareholders may not receive any
return on their investment from dividends.
und wenn eine Firma mit 25 Jahren Geschichte in Zeiten, wo die Banken um jeden Kreditnehmer buhlen, keine 100.000$ Kredit bekommt scheint das auch nicht gerade ein Zeichen von Gesundheit zu sein. Im Gewerbeumfeld ist das ja eine vergleichsweise lumpige Summe. Vielleicht wollen sie es aber auch einfach nur anders machen, weil sie keine Banken mögen (dazu unten mehr).

BF ist ja de facto ein Familienunternehmen; Co-Founder Alan Scholz hat vor kurzem die Geschäftsführung an seine Tochter Hanna übergeben. Seitdem gab es das Pakit und das Howl-a-day, beide mit Kickstarterkampagnen und das Tikit wurde eingestellt aufgrund zu hoher Produktionskosten im Vergleich zum Packit. Wenn man sich die Bilanzen zu Gemüte führt kann man sich auch vorstellen warum: Der Laden bewegt sich finanziell auf sehr dünnem Eis und steht eigentlich mit dem Rücken zur Wand wie es scheint - kein Spass für die Geschäftsführung und sehr schade nach 25 Jahren im Business. Zumal BF eine sehr sympathische Firma zu sein scheint, für die Geld verdienen eben nicht alles ist.

In den 25 Jahren ihrer Existenz haben sie bisher 35.000 Räder gebaut - viel, und doch wieder auch nicht. Zum Vergleich: Brompton hat 1987 mit dem Mk2 losgelegt, ebenfalls als kleine Bude und wie BF mit extremer Kundenfokussierung. Allerdings nicht BTO sondern Standardmodelle. Die 35.000 hatte Brompton kurz vor der JAhrtausendwende erreicht, obwohl sie zumindest damals alles andere als salesgetrieben waren. Beide produzieren in Hochlohnländern, beide bauen Stahlrahmen, beide haben eine grosse und loyale Anhängerschaft und einen guten Ruf. Den Split in Standard- und a-la-Card-Modelle, den BF jetzt machen will, hat Brompton bereits 2005 eingeführt, sich dabei allerdings auf Farben und ein limitiertes Set an Komponenten beschränkt für die Individualisierung. Bike Friday arbeitet nach lean-Production Methoden und Kanban, wie sie Toyota eingeführt hat, Brompton hat in den Jahren ab ca. 2008 schrittweise ebenfalls dahin umgestellt. Brompton hat massiv expandiert in den letzten Jahren und dieses Jahr das 500.000 Rad gebaut. Pro Jahr bauen sie 50.000 Räder und damit mittlerweile weit mehr in einem Jahr als BF jemals hergestellt hat und liegen jahresumsatzmässig bei mehr als dem 10-fachen von BF, und das zudem in Pfund statt Dollar. Dahon ist wiederum für Brompton grössenordungsmässig wohl was Brompton für BF ist, was die Zahl der gebauten Räder angeht...

Einen Vorteil hat BF aber: Brompton musste letztes Jahr umziehen für sehr viel Geld und mit viel Aufwand um eine Verdopplung der Kapazität erreichen zu können. BF sagt, ihre Fabrik hätte genug Kapazität für die 10-fache Menge an Rädern, als sie derzeit herstellen. Derzeit bauen sie 25 Räder die Woche (offenbar im Jahresmittel), das ist nicht üppig und entspricht einer Jahresproduktion von lediglich 1300 Rädern. Die 25 will z.B. der Helix-Gründer am Tag bauen (wenn er denn mal anfängt welche zu bauen).

Einiges erfährt man in dem 37-seitigen pdf zum Investitionsangebot (https://d19j0qt0x55bap.cloudfront.net/p ... nt__1_.pdf), das ich unten auszugsweise, aber ausführlich zitiere. In jedem Fall eine Investition für Liebhaber, nicht für jemanden, der Geld verdienen will.

Auch für nicht-Investoren bietet bietet die Kampagne einige Informationen: Z.B. dass einer der BF-Gründer 1969 auch Burley mitgegründet hat und den Fahrradkinderanhänger erfunden/entwickelt hat, der bis heute der de-facto-Standard am Markt ist. Ausserdem naturgemäss einiges über die Firma BF, z.B. dass der Jahresumsatz(!) 2015 bei 3 Mio$ lag und 2016 bei 2,5 Mio$ und auch, dass sehr grob 10% des Umsatzes für Kundenservice drauf geht.
Sales, Supply Chain, & Customer Base

We currently sell 55% of our bikes direct from the factory over the phone or email and
45% through bike shop dealers around the world. About 30% of the bikes we sell are
shipped to other countries outside the USA.
A majority of our customers are currently over the age of 50 years and there are much
more men than women. The Haul-a-Day and pakiT customers are younger and a more
equal split of men and women. Our customer tend to be well educated with
professional ocupations, care alot about their health and have a strong sense of
adventure.

Competition

We do not have any direct competitors in the sense of custom built to order high
performance folding bikes. However there are several folding bike companies and
cargo bike companies who offer some overlap of similar bike solutions to peoples daily
transport problems. The most noteworthy bike companies are:
Brompton (Made in U.K.), Tern and Dahon (both Made in Taiwan) for compact
folding bikes for city multi-modal commuting.
Yuba and Xtracycle for cargo bikes (both Chinese made)
(...)
RISK FACTORS

These are the principal risks that related to the company and its business:

- Our bike designs are not patented and therefore could be copied. None of our
bike designs are patented. It is our built to order manufacturing process that is
the hardest to copy.
If we do not raise the Working Capital we need to make the improvements we
are likely to decrease the company size to better match anticipated sales. If we
do not get the Working Capital required to accomplish the improvements in off
season balancing with inventory bikes, completing electric assist options for our
other bikes, samples and road trip demos to open new dealers - we risk losing
money in 2017 and 2018 and the company missing the opportunity of catching
the growing awareness and interest of Americans in folding bikes and cargo
bikes for daily urban lifestyles that is increasing right now (...)

Results of Operation

Years ended December 31, 2015 and December 31, 2016 were both losses. The losses
were from a combination of lack of working capital to respond to the changes in
customer purchasing trends towards online marketing, lack of working capital to
promote our new bikes as a response to market interest trends towards more lifestyle
utility and electric assist very quickly, as well as a dramatic down turn in the Bike
Industry. The exchange rate of the dollar has also kept our overseas orders stagnant
for several years.
Through cutting our expenses by 25% over the last 2 years, simplifying our offering
and increasing our margins 7% we have now stabilized in 2017 and are at break even
through June 2017. We must get the working capital needed for planned changes

(...)

BF/GG currently sells and builds to delivery about 25 bikes a week. This is running our
production cell with a half strength team for one shift only. Few manufacturers are
profitable at less than 25% of their capacity. The right size is different for different
industries and different production systems. Our system has the potential to compete
at more optimal capacity by running one full shift or above year around.
A relatively accurate rule of thumb is that expenses drop by 20-25% for every doubling
of production. For us this is driven by being able to buy OEM (original equipment
manufactures) at better volume prices and using the facility more completely. Because
we build on such a short time line now, we buy much of our raw material and
components from US distributors at the same prices that bike shops pay. OEM prices
are as little as half of that. But most of the sources for the bike manufacturing are
overseas. We need to be able to bring in containers ( a small one is 8'x 8'x 20ft long)
from Taiwan and other countries to get competitive prices and keep our cost down.
This all takes working capital and works on a longer 90 day lead time.
(...)
Liquidity and Capital Resources
The company is currently fully functional delivering customer orders at a profitable
rate after a loss in January and February 2017. This loss was from our lack of capital
due to the seasonal reliance on customer deposits as our only working capital. Because
of this we had to turn away $50,000 to $70,000 of immediate business because we had
been unable to build in inventory and already had long leadtimes that certain
customers were not willing to wait for. We were also unable to reach out to dealers for
spring sales growth because of the same lack of inventory.
There is no working capital currently available to the company for improvements or to
buffer any changes in the market. Without an infusion of working capital, the
company will most likely lose money this winter season and need to do a seasonal lay
off to decrease overhead instead of preparing for the spring and summer opportunities
by building inventory of our new popular products.
Raising $100,000 will allow us to prepare this winter 2017 for next spring 2018
opportunists by building some popular inventory. This will improve the profitability
for 2018.
If we successfully raise $100,000 in this campaign we will take a second step to raise
up to $1,000,000. This additional capital will allow us to take full advantage of
additional oportunities in the form of funding a full dealer program and marketing
promotion that our production is already capable of supporting.
(...)
Indebtedness
The company has two outstanding promissory notes for $81,954. The notes bear
interest of 6% and 7% per year, monthly payments, with balance due at maturity on
July 1, 2017 and July 1,2018. In addition, the company has shareholder notes of
$402,959. The notes bear interest of 1.4% and 5%. Monthly payments are made on one
of the loans. Also one loan matures November, 2020. The company has a note of
$17,735, bearing interest of 6%, no monthly payment and no maturity date. Bike
Friday has been very cautious about debt since its inception. We have seen that most
small bike manufactures that started around the time we did and even before by 10-20
years are either gone or taken over by a larger company. They usually loose their
brands focus, founders mission and hence their unique value. Even Schwinn followed
that pattern. We have shied away from banks who we found did not understand our
business at all & who closed other companies down by calling their loan. We have
remained focused on our customers and the mission we set in 1992. The financing we
have had has come from our customers, real time deposits and deliveries, ourselves
(mortgaging our homes) and the City of Eugene where world headquarters (our only
facility!) are based. The city of Eugene has loaned us money several times over the
years. We currently have two loans with them for about $90,000 total. This is
collateralized by Alan's and Hanna's homes.
(...)
Recent offerings of securities
None
Valuation
$3,680,615.00
Until now Green Gear Cycling Inc. has been a closely held company (with a great user
community!). We have not undertaken any formal valuation process of the company
thus far. The price of the shares merely reflects the opinion of the board as to what
would be fair market value.
Kurz gesagt: Sie wollen sich nicht an Banken wenden und potentiell wäre das auch nicht erfolgreich angesichts der finanziellen Situation der Firma und in Ermangelung von Sicherheiten. Anstelle eines Kredits, der Zinsen kosten würde, vergeben sie stattdessen Anteile, die weder Stimmrecht haben noch Dividenden bekommen. Dafür durchaus ein Verlustrisiko. Und wiederbekommen kann man sein Geld auch nur, wenn man es schafft nach Ablauf der Sperrfrist einen Käufer für seine Anteile zu finden, der zu gleichen Bedingungen investiert (aber nicht unbedingt zum gleichen Preis - im Guten wie im Schlechten). Mit anderen Worten: Ausser dem Karma der guten Tat gibt es wohl eher kein Payback.

Riecht ein wenig nach Verzweiflungstat und nach einem Investment, das nur für ausgesprochene Ökologen und/oder Fans der Marke geeignet ist, die zudem nicht auf das Geld angewiesen sind, wenn ich nicht was Relevantes übersehen habe. Die scheint es immerhin zu geben - 43.000$ haben sie schon. Vielleicht dank ihrer Hauptusergruppe: Technikaffine, gebildete und potentiell solvente Männer in ihrer zweiten Lebenshälfte. So oder so - von mir gibt's zumindest Respekt für Durchhaltevermögen und die besten Wünsche, dass es BF noch lange geben möge.

Sehr interessant auch die Video-Fabriktour: https://youtu.be/exM-X9JD2CI Ausserdem sind auf der oben verlinkten Projektseite auch einige sehr schöne Videos von BF-Fahrern verlinkt.
Zu Historie von BF gibt es im Firmenblog drei interessante Artikel:
Teil 1: https://www.bikefriday.com/folding-bike ... -was-born/
Teil 2: https://www.bikefriday.com/folding-bike ... et-rocket/
Teil 3: https://www.bikefriday.com/folding-bike ... m-bicycle/

Meine Zusammenstellung mag vielleicht etwas pessemistisch klingen, allerdings haben in den letzten Jahren doch ein paar langjährige kleine Anbieter auf dem Markt zugemacht. Im Bootsbereich z.B. Folbot und Feathercraft. Von daher bin ich etwas sensibilisiert...

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